Val d’Orcia

Die Landschaft des Val d’Orcia (Orciatal) liegt im südlichen Teil der Provinz Siena in der Toskana, Italien.

Beschreibung:

Das Tal ist Teil des landwirtschaftlichen Hinterlandes von Siena, welches bei seiner Besiedlung durch den Stadtstaat im 14. und 15. Jahrhundert überarbeitet und entwickelt wurde, um das idealisierte Modell einer guten Regierungwiderzuspiegeln und ein ästhetisch ansprechendes Landschaftsbild zu erzeugen. Der Name entstammt dem Fluss Orcia. Die auffällige Ästhetik der Landschaft mit ihren flachen Ebenen, aus der sich fast schon kegelförmige Hügel erheben, inspirierte viele Künstler. Ihre Gemälde befassen sich mit der Schönheit landwirtschaftlich bewirtschafteter Gegenden während der Renaissance. Die Landschaft gleicht den Crete Senesi, auch hier dominieren Biancane (weiße Gesteinsart) und Calanchi (Erosionsrinnen).

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Geographie:

Das Val d’Orca setzt sich aus den fünf Gemeinden Castiglione d’Orcia, Montalcino, Pienza, Radicofani und San Quirico d’Orcia zusammen  und liegt an den nördlichen Ausläufern des Berges Monte Amiata. Im Talgebiet fließen unter anderem die Flüsse Asso, Formone, Orcia, Vellora und Vivo. Das Gebiet hat die Fläche 61.188 Hektar. Die Gegend wird durchquert von der historischen Via Francigena und der römischen Via Cassia, die teilweise Streckengleich sind. Im Nordwesten grenzt die Landschaft an die Crete Senesi, im Nordosten an das Chianatal (Val di Chiana, auch Valdichiana).

Klima:

Das Klima ist sehr wechselhaft mit großen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht.

Ab März sind die Tagestemperaturen sehr angenehm für Wanderungen und Besichtigungen, jedoch ist es mangels Wäldern oder höherem Bewuchs fast immer windig, eine Wind- und Regenjacke sollte immer mitgeführt werden. In der Nacht kann es im Frühjahr noch empfindlich kalt werden. Nach starkem Regen sollten unbefestigte Wanderwege gemieden werden, da die schwere tonhaltige Erde eisglatt wird und an den Schuhen klebt. Anfang Mai wird es an sonnigen Tagen in den Hügeln sehr heiß, Tagestemperaturen über 30°C sind keine Seltenheit, im August sogar bis 40°C. Im Sommer ist es nur dank der dauerhaften leichten Brise auf den Hügeln halbwegs erträglich, wobei man von Wanderungen und Sport absehen sollte, da es kaum Schatten gibt. Im September wird es wieder angenehmer, tagsüber ist es an Sonnentagen noch immer heiß, wobei schon ein kurzes Gewitter oft Temperaturstürze von über 15°C mit sich bringt. Auch in der Nacht kann es kühl werden, eine warme Jacke sollte man immer einstecken haben. Besonders an leicht bedeckten Tagen ist das Klima nun für Wanderungen ideal. Auch im Oktober ist es an Sonnentagen tagsüber sehr warm und lädt zum ausgiebigen Wandern, Biken und Erkunden ein, es kann jedoch auch sehr kühle, windige Tage geben, eine Windjacke ist angeraten. Im Ferienhaus ist ein Kamin nun sehr sinnvoll, um die abendliche Kälte zu vertreiben. Im November und Dezember ist es an klaren Tagen noch warm genug, um draußen zu sitzen. Durch die häufigeren Regenfälle wird das Wandern jedoch erschwert. In den Städten gibt es kaum noch Touristen, allerdings haben viele Museen und Kulturstätten nur sehr eingeschränkt geöffnet. In der Nacht und an wolkigen oder regnerischen Tagen kann es empfindlich kalt werden. Viele Ferienunterkünfte sind nicht ausreichend gedämmt und ausgesprochen fußkalt, deswegen sind warme Haussachen und Nachtwäsche trotz Heizung dringend angeraten. Im Januar und Februar kann es auch tagsüber sehr kalt sein, auch wenn es nur selten Frost gibt. Besonders unangenehm ist der schneidende Wind. Wer Urlaub in dieser Jahreszeit plant, sollte gut ausgerüstet reisen und eine beheizbare Unterkunft innerhalb einer Ortschaft suchen. Einzelne Ferienhäuser auf den Hügeln sind in der Regel trotz Heizung kaum bewohnbar. Die Städte sind jetzt so gut wie ausgestorben und die Toskana zeigt nun ihr anderes, raueres Gesicht.

Jan.
Feb.
Mär.
Apr.
Mai
Jun.
Jul.
Aug.
Sep.
Okt.
Nov.
Dez.
11°C13°C15°C18°C24°C28°C32°C33°C29°C23°C16°C12°C
3°C4°C5°C8°C11°C16°C21°C21°C17°C11°C8°C3°C

Geschichte:

Großen Einfluss auf das Gebiet hatte bis zum frühen Spätmittelalter die Familie der Aldobrandeschi, die in Rocca d’Orcia bis zum Jahr 1250 Statthalter hatten. Danach übernahmen zunehmend Familien aus Siena die Kontrolle über das Tal, wie zuerst die Salimbeni, die in der Gegend um Castiglione d’Orcia und Radicofani stärker wurden. Nach deren Niederlage gegen die Republik Siena 1418  übernahmen dann weitere Familien aus Siena die Herrschaft über das Territorium, wobei die Familie derPiccolomini und besonders deren berühmtester Papst, Pius II., hervorragten. Unter ihm und seinem Architekten Bernardo Rossellinowurde aus dem kleinen Ort Corsignano die heutige Gemeinde Pienza und die Konkathedrale Santa Maria Assunta entstand. Weitere Bauprojekte, wie der Staudamm am Fluss Orcia zur Versorgung von Pienza, scheiterten am Tod Pius II. im Jahr 1464. Im Konflikt zwischen Siena und dem Florenz der Medici spielte Montalcino eine wichtige Rolle, als die Regierung von Siena nach der Belagerung der Stadt von 1555 bis 1559 in Montalcino residierte, dann aber nach dem Frieden von Cateau-Cambrésis aufgab. Danach wurde das Val d’Orcia Teil desGroßherzogtum Toskana, das unter den Medici Verbesserungen der Infrastruktur an der Via Francigena / Via Cassia erlebte. Im Zweiten Weltkrieg hatte das Orciatal eine strategische Position als Vorposten der Gotenstellung, bei der mehrere Kriegsverbrechen begangen wurden. Literarisch wurde diese Epoche von Iris Origo in ihrem BuchToskanisches Tagebuch 1943/44: Kriegsjahre im Val d’Orcia festgehalten.

Kulturerbe: 

Val d’Orcia ist seit 2004 Teil des Weltkulturerbes. 

Sehenswürdigkeiten: 
  • Abtei Sant’Antimo, Kloster im Ortsgebiet von Montalcino
  • Bagni San Filippo, Thermalbäder in Ortsgebiet von Castiglione d’Orcia
  • Bagno Vignoni, Thermalbäder im Ortsgebiet von San Quirico d’Orcia
  • Campiglia d’Orcia
  • Parco Artistico Naturale e Culturale della Val d’Orcia, 1996 entstandener Naturpark 
  • Rocca d’Orcia, Burg der Aldobrandeschi nahe Castiglione d’Orcia
  • Torrenieri, Ort an der Via Francigena, Ortsteil von Montalcino
  • Vivo d’Orcia, Ortsteil von Castiglione d’Orcia am Monte Amiata

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