Syrakus

Die Stadt Syrakus (italienisch Siracusa, sizilianischSaraùsa; altgriechisch Συράκουσαι Syrákusai, lateinisch Syracūsae) liegt an der Ostküste der italienischen Region Sizilien und ist Hauptstadt der Provinz Syrakus. Die Stadt zählt 122.031 Einwohner (Stand 31. Dezember 2016). In der Antike war Syrakus über mehrere Jahrhunderte die größte und mächtigste Stadt Siziliens und dessen kulturelles Zentrum. Marcus Tullius Cicero beschrieb sie in seinen Reden gegen Verres als „die größte und schönste aller griechischen Städte“. 2005 erklärte die UNESCO Syrakus zusammen mit der Nekropolis von Pantalica zum Weltkulturerbe.


Geographie:

Syrakus liegt an der südöstlichen Küste Siziliens im Mündungsgebiet der Flüsse Anapo und Ciane. Der Kern der Altstadt befindet sich auf der 40 ha großen Insel Ortygia. Diese liegt zwischen zwei Naturhäfen und ist nur durch eine enge Durchfahrt vom Festland getrennt. Auf ihr befindet sich eine ergiebige Süßwasserquelle.

Capo Murro di Porco

Landschaften:

Die Landschaften in der Umgebung von Syrakus sind sehr abwechslungsreich und reicht von Hügeln, Höhlen bis zu Flusstälern. Die Küste ist meist felsig und zerklüftet mit mehreren Landzungen, Buchten, kleinen Inseln und Halbinseln. Die Stadt liegt teilweise auf der Insel Ortygia. Die Stadt ist für ihre sagenhaften und atemberaubenden Sonnenuntergänge bekannt. Die Landform des Küstenstrichs bildet eine große natürliche Bucht. In dieser Bucht entwickelt sich der große Hafen der Stadt. An der südlichen Spitze der Insel liegt das Capo Murro di Porco. Die Gewässer sind zum teil durch ein Naturschutzgebiet geschützt.

Geologie und Geologische Formationen:

Das Gebiet um Syrakus gehört geologische gesehen zu den Monti Iblei. Zwischen Akradina und Neapolis befinden sich die Pietra bianca di Siracusa, eine schroffe Kalkwand aus weißen Kalkgestein. Die Landschaft nördlich von Syrakus ist felsig und weist viele Höhlen auf.

Pietra bianca di Siracusa


Klima:

Das Klima in Syrakus ist ein typisches maritimes Mittelmeerklima mit feucht-milden Wintern und trocken-heißen Sommern. Bekannt ist der Schirokko-Wind, dieser bringt schwül-heiße Luft nach Sizilien. Im Herbst kann es zu heftigen Regenfällen mit Menge von bis zu 150 mm pro Tag kommen.


Sehenswürdigkeiten:

Die Altstadt auf der Insel Ortygia drohte nach dem Zweiten Weltkrieg zu verfallen. Viele Bewohner zogen in die modernen Wohnviertel auf dem Festland um. Durch umfangreiche Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten von 1990 an wurde die Altstadt wieder aufgewertet und belebt. Auf Ortygia befindet sich auch ein Großteil der historischen Bauten und Sehenswürdigkeiten.

Fonte Aretusa:

Die Süßwasserquelle bzw. der Brunnen Fonte Aretusa liegt nur wenige Meter vom Meer entfernt. Das Wasserbecken ist mit Steinen eingefasst und von Papyrusstauden umrahmt. Nördlich des Brunnens befindet sich die Strandpromenade Foro Vittorio Emanuele II.

Palazzi und Museen:

Die Piazza Archimedes ist der Mittelpunkt der Altstadt. Der Platz ist umgeben von alten Palästen aus dem 14. bis 16. Jahrhundert. Dazu zählen im Westen der Uhrenpalast, heute Sitz der Banca d’Italia, nordöstlich des Platzes der Palazzo Montalto und der Palazzo Lanza. Der Artemisbrunnen in der Mitte des Platzes stellt dar, wie sich Arethusa mit Hilfe der Göttin Artemis in eine Quelle verwandelt. Zu einem ehemaligen Benediktinerkloster aus dem 13. Jahrhundert gehören der Palazzo Parisio und der Palazzo Bellomo. Dieser beherbergt das größte Museum der Altstadt, das Museo Regionale di Palazzo Bellomo. Zu den Exponaten zählen ein Gemälde von Caravaggio: „Die Grablege der Hl. Lucia“, der Schutzpatronin von Syrakus, und ein Gemälde von Antonello da Messina: „L’Annunciazione“, die Verkündigung. Auf der Piazza Duomo stehen der Palazzo Vermexio aus dem 17. Jahrhundert, in dem sich das Rathaus der Stadt befindet, und der Palazzo Beneventano del Bosco. Der ursprünglich mittelalterliche Bau ging 1778 in den Besitz der Familie Beneventano über und wurde von Luciano Ali im Stil des Barock umgebaut. Der Palazzo, noch heute im Familienbesitz, beherbergte auch Admiral Nelson und König Ferdinand IV. von Bourbon. Im erzbischöflichen Palast gegenüber dem Dom befindet sich die Alagoniana-Bibliothek, die griechische, lateinische und arabische Handschriften sowie eine umfangreiche Sammlung antiker Münzen aufbewahrt.

Tempel und Kirchen:

Der Apollontempel wurde im 6. Jahrhundert v. Chr. erbaut und ist der älteste größere griechische Tempel Siziliens, der bisher gefunden wurde. In byzantinischer Zeit diente der Tempel als Kirche, in arabischer Zeit als Moschee, dann wieder als christliche Kirche. Von 1930 bis 1940 wurden die Überreste ausgegraben. Erhalten sind das Fundament, Teile der Cellawand und Reste einiger dorischer Säulen. Der Dom Santa Maria delle Colonne (Heilige Maria der Säulen) wurde im 7. Jahrhundert n. Chr. durch einen Umbau des Tempels der Athene errichtet. Dieser Tempel stammt aus dem 5. Jahrhundert v. Chr., seine Säulen sind heute an der Hauptfassade und im Innenraum zwischen den Schiffen zu sehen. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Dom von Andrea Palma vergrößert und erhielt seine heutige Fassade im Stil des sizilianischen Barocks. In einer der Seitenkapellen des Doms wird die Statue der Heiligen Lucia aufbewahrt. Anlässlich des Gedenktags der Schutzheiligen am 13. Dezember und jeweils am ersten Maisonntag wird die fast 4 m hohe Silberstatue aus dem 16. Jahrhundert auf feierlichen Prozessionen durch die Straßen der Stadt getragen. Ebenfalls auf dem Domplatz steht die Barockkirche Santa Lucia alla Badia. Sie wurde zwischen 1695 und 1707 erbaut.

Castello Maniace:

Das Castello Maniace liegt an der Südspitze von Ortygia. Ein aus der normannischen Herrschaftsepoche im Königreich Sizilien stammender Vorgängerbau wurde im Jahr 1038 von dem Söldnerführer der Normannenherrscher, dem griechischstämmigen Georg Maniakes, der die Stadt für die Normannen eroberte und die arabischen Einwohner vertrieb, aufgebaut. Auf dessen Grundmauern wurde im 13. Jahrhundert auf Anweisung des Stauferkaisers und Königs von Sizilien Friedrich II. das prachtvolle Kastell erbaut, dessen Reste noch heute die Ansicht des Hafens von Syrakus dominieren. Ursprünglich zwei- oder gar dreigeschossig, wurden die Obergeschosse während der Spanierherrschaft in Süditalien im 16. Jahrhundert abgerissen, um bei Angriffen mit Kanonen weniger Angriffsfläche zu bieten. Die ursprünglich steilere Proportionierung kommt damit den französischen Vorgängerbauten nahe (Donjons), wie sie unter dem König Philipp II. August in Paris (Vorgängerbau des Louvre) und anderswo errichtet wurden.