Ravenna

Ravenna war in der Spätantike und im frühen Mittelalter eines der wichtigsten politischen und kulturellen Zentren des Abendlandes. Ravenna (veraltet deutsch: Raben) ist eine Stadt in Italien mit 154.288 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012). Ravenna ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in der Region Emilia-Romagna. Die Stadt lag ursprünglich unmittelbar an der Adria. Infolge von Verlandung beträgt die Entfernung des Stadtkerns von der Küste heute etwa neun Kilometer. Der Hafen ist durch den Canale Candiano mit der Küste und dem Seebad Marina di Ravenna verbunden. Ravenna ist Erzbischofssitz. Von 402 bis 476 war die Stadt Hauptresidenz der weströmischen Kaiser. In den folgenden Jahrzehnten residierten hier auch Odoaker, Theoderich der Große und dessen Nachfolger; nach der Rückeroberung Italiens durch oströmische Truppen war die Stadt bis zur Einnahme durch die Langobarden im Jahre 751 Zentrum eines kaiserlichen Exarchats.

Basilica di Sant’Apollinare in Classe (© Pixabay-License / chatst2)


Geographie:

Das Stadtzentrum liegt 8 km von der Adria entfernt und ist mit dem Candiano-Kanal zum Meer hin verbunden. Städtische Ableger erstrecken sich durch den Hafen von Ravenna bis zum Meer. Die Strände der Ravenna bezeichnet man als „Lidos“, administrativ gesehen gelten diese als Ortsteile:

Lidi Nord: Casal Borsetti, Marina Romea und Porto Corsini.

Süd-Lidos: Marina di Ravenna, Punta Marina Terme, Lido Adriano, Lido di Dante, Lido di Classe und Lido di Savio.

Landschaft:

Die Landschaft wird durch die Lage an der Adriatischen Küste geprägt. Die nördlichen Ufern weisen große Gewässer und Sumpflandschaften auf, wie die Oase Punte Alberete, die inmitten des wunderschönen Pinienwald von San Vitale gelegen ist. Im Süden findet man die Wälder der Pineta di Calsse vor. Die Strände sind den Tourismus ausgerichtet und von Hotels und Restaurants geprägt. Die Strände bestehen aus Sand.


Klima:

Klima der Stadt Ravenna / Klimastationen der Provinz Ravenna / Klima der Emilia-Romagna / Klima der Romagna

Das Klima in Ravenna wird von zwei Faktoren beeinflusst: zu einem vom kontinentalen Charakter der Po-Ebene und zum anderen vom 8 km entfernten Adriatischen Meer. Daher herrscht in Ravenna ein Mischtyp aus beiden Klimaregionen. Die Winter werden von der Kälte der Po-Ebenen geprägt, wobei die Adria eine Milderung der Temperaturen begünstigt. Ravenna weist im Schnitt 35 Frosttage (1961-1990) auf somit sind Frosttage seltener, als in anderen Städten der Provinz Ravenna. Die Winter sind mäßig kalt und weisen Tageswerte von um die +5-8°C auf. Die Nächte sind kalt mit Temperaturen um den Gefrierpunkt. Die Sommer sind schwül und heiß mit vielen Gewittern und diesigen Wetter. Generell weist Ravenna eine hohe Luftfeuchtigkeit auf. Diese schwankt zwischen 75 % und 86 % im Jahresverlauf.

Ravenna-Punta Marina (1961-1990):

Diese Klimastation liegt direkt an der Adriaküste im Ortsteil Punta Marina. Hier erkennt man die kalten Temperaturen im Winter mit der sehr hohen Luftfeuchtigkeit (≥ 85%), dadurch verstärkt sich das Kältegefühl und es herrscht eine nasse Kälte vor. Das Frühjahr ist für italienische Verhältnisse recht kühl. Die Sommer sind sehr warm und schwül. Der Herbst ist mild.


Geschichte:

Kaiser Honorius war es, der nach der Übernahme der Herrschaft im Jahr 395 Ravenna zur Hauptstadt des Weströmischen Reiches machte. Die günstige Lage der Stadt, gegenüber dem Festland durch Sumpfgebiete geschützt, aber doch offen zum Meer, war wohl ausschlaggebend für seine Wahl. Später wurde Ravenna der westlichste Vorposten des Byzantinischen Reichs, verlor aber gegenüber Venedig mehr und mehrt an Bedeutung. Geblieben sind die großartigen Kunstwerke aus der Blütezeit der Stadt. Ravenna war einst die Hauptstadt des Weströmischen Reiches, später Residenz der Goten und dann Mittelpunkt des byzantinischen Teils von Italien, bis es im Jahr 751 von den Langobarden erobert wurde. Aus dieser Zeit stammen einige nahezu unverfälscht erhaltenen Baumwerke mit faszinierenden Mosaiken, die zu den bedeutendsten Zeugnissen des frühen Christentums gehören. Nahe der alten Stadtmauer befindet sich die Kirche San Vitale. die in den Jahren 525 bis 547 nach dem Vorbild der Hagia Sophia in Byzanz erbaut wurde.

Sant’Apollinare Nuovo (© Pixabay-License / Gerhard Bögner)


Sehenswürdigkeiten:

Mosaik des Baptisterium der Arianer (© Pixabay-License / awsloley)

Der Besuch Ravennas ist einer der Höhepunkte der Adria. Die wichtigsten Kunstwerke liegen etwas abseits vom Zentrum der Altstadt, der Piazza del Popolo. Im Nordwesten nahe der alten Stadtmauer befinden sich die Kirche San Vitale mit ihren großartigen Mosaiken und das gleichfalls mit Mosaiken geschmückten Mausoleum der Prinzessin Galla Placidia. Nicht minder beeindruckend sind die Mosaiken in der Basilika Sant´Apollinare Nuovo, südöstlich der Piazza del Popolo gelegen. Hier füllen Heiligengestalten in zwei langen Prozessionen die Wände des Gotteshauses. Die byzantinischen Mosaiken kamen erst nach dem Sturz Theodorichs hinzu, als manches, was an die Herrschaft des Gotenkönigs erinnert, beseitigt wurde. Das Mausoleum Theodorichs, ein wuchtiger, von einer Kuppel gekrönter Bau aus Kalksteinblöcken , liegt bereits außerhalb der historischen Altstadt. Es beeindruckt durch seine schlichten Monumentalität.

UNESCO-Weltkulturerbe Bauten:

  • San Vitale (© Pixabay-License / chatst2)

    San Vitale (6. Jahrhundert)

  • Mausoleum der Galla Placidia (5. Jahrhundert); ein innen mit Mosaiken verziertes Mausoleum, das die Kaiserin Galla Placidia 425 n. Chr. für sich hatte erbauen lassen, das ihren Leichnam jedoch wohl nie beherbergte, da sie 450 in Rom verstarb und dort wahrscheinlich auch beerdigt wurde.
  • Sant’Apollinare Nuovo (6. Jahrhundert); die ehemalige arianische Hofkirche Theoderichs, die von ihm erbaut worden war und die sich unmittelbar neben seinem Palast befand.
  • Mausoleum des Theoderich, mit einem Natursteindach von rund elf Metern Durchmesser und einem Meter Dicke, das aus einem einzigen, aus Istrien stammenden Monolithen herausgemeißelt wurde.
  • Baptisterium der Arianer (6. Jahrhundert)
  • Mosaik des Battistero Neoniano (© Pixabay-License / crilaman)

    Baptisterium der Orthodoxen (5. Jahrhundert), nördlich des Doms, auch Neonische Taufkapelle genannt, gilt unter den achteckigen antiken Bauwerken Ravennas als das älteste.

  • Bischofskapelle (Ravenna) (6. Jahrhundert), auch Oratorium des hl. Andreas genannt, südlich des Doms im Erzbischöflichen Palast gelegen und über das Erzbischöfliche Museum erreichbar.
  • Sant’Apollinare in Classe

Kirchen:

  • S. Croce
  • S. Maria Maggiore (5. Jahrhundert)
  • S. Eufemia (1742–1747), der Innenraum ist mit Malereien aus den 18. Jahrhundert verziert.
  • S. Giovanni Battista
  • Spirito Santo (5. bis 6. und 16. Jahrhundert), war unter dem (griechisch-byzantinischen) Namen Hagia Anastasis (deutschAuferstehungskirche) zur Zeit Theoderichs des Großen die Hauptkirche der Arianer in Ravenna.
  • S. Maria del Suffragio
  • Dom von Ravenna (© Pixabay-License / crilaman)

    Dom (Duomo) (1734); im Dom befinden sich die Kanzel des Bischofs Agnellus (6. Jahrhundert), Sarkophage aus dem 5. Jahrhundert und eine Krypta aus dem 10. Jahrhundert.

  • S. Francesco (5., 9. und 12. Jahrhundert)
  • S. Agata Maggiore (5. Jahrhundert)
  • S. Giovanni Evangelista (5. Jahrhundert)
  • S. Maria in Porto (1553–1606)
  • Sant’Apollinare Nuovo

Museen:

  • Städtisches Kunstmuseum und Gemeinde-Pinakothek; Lombardische Loggia (1508).
  • Nationalmuseum (Museo Nazionale, Via Fiandrini, Sammlungen der römischen, frühchristlichen, byzantinischen und mittelalterlichen Epochen, Homepage (ital.) hier online).
  • Erzbischöfliches Museum, Piazza Arcivescovado; unter den Exponaten der Bischofsstuhl des Bischofs Maximianus (546-552), ein Meisterwerk der frühbyzantinischen Elfenbeinschnitzerei aus dem 6. Jahrhundert, das Kaiser Otto III. von dem venezianischen Dogen Orseolo II. geschenkt erhalten und das er im Jahr 1001 nach Ravenna mitgebracht und der Kirche gestiftet hatte.
  • Sogenannter Palast Theoderichs, Gebäude des 8. Jahrhunderts mit einem Ausstellungsraum im Obergeschoss, in dem Fragmente von Fußbodenmosaiken gezeigt werden, die im Palastgelände freigelegt wurden. Eintritt frei (2009).
  • Domus dei Tappeti di Pietra (Via Barbiani, Zugang durch die Kapelle S. Eufemia)
  • Dante-Museum und Grabmal Dantes (Museo Dantesco e Tomba di Dante
  • Gebäudekomplex S. Nicolò (Complesso di San Nicolò, Via Rondinelli 6); die einschiffige geräumige ehemalige Kirche S. Nicolò, die in der Vergangenheit zuletzt als militärische Reithalle (Cavallarizza) genutzt wurde, dient heute als Ausstellungshalle.
  • Historische Bibliothek von Classe (Museo del Risorgimento presso la Biblioteca Classense, 16. Jahrhundert, Homepage (ital.) hier online.)
  • Städtisches naturwissenschaftliches Museum ‚A. Brandolini‘ (NatuRa – Museo Ravennate di Scienze Naturali ’A. Brandolini‘.
  • S. Maria delle Croci, Via Guaccimanni

Weitere Sehenswürdigkeiten:

  • Piazza del Popolo (© Pixabay-License / Giancarlo Gattelli)

    Piazza del Popolo, der zentrale Platz im Zentrum, mit dem Palazzetto Veneziano (Venezianischer Palast, 15. Jahrhundert), dessen Kapitelle das Monogramm Theoderichs zeigen. Sie könnten von der von den Venezianern abgerissenen, arianischen Andreaskirche stammen, die die Goten in ihrer Vorstadt erbaut hatten. In dem Palazzo ist heute das Rathaus untergebracht. Die zwei venezianischen Säulen vor dem Gebäude tragen die Schutzheiligen Ravennas: Apollinaris und Vitalis. Dem Hl. Vitalis wurde 547 die Basilika San Vitale geweiht.

  • Alghieri-Theater (Teatro Alghieri)
  • Oriani-Bibliothek (Biblioteca Orioani)
  • Haus der Marionetten (Casa delle Marionette, Vicolo Padenna 4/a)
  • Provinzpalast (Palazzo della Provincia)
  • Stadtzentrum S. Domenico (Urban Center San Domenico, Via Cavour), als Ausstellungshalle genutzte ehemalige Kirche im Stadtzentrum
  • Palast der Künste und des Sports „De Andrè“ (Palazzo delle Arti e dello Sport „De Andrè“)
  • Haus der Kriegsversehrten und Mosaiken-Saal (Casa del Mutilato, Piazza J. F. Kennedy).
  • Almagià, Via Magazzini Posteriori
  • Markthalle (Mercato Coperto, in Stadtmitte)
  • Rasi-Theater (Teatro Rasi)
  • Puppenmuseum (Picolo Museo delle Bambole, Via M. Fantuzzi 4)
  • Stadtturm (Torre comunale e Sala d’Attorre, 12. Jahrhundert, Via P. Costa). Er steht schief und steckt in einem Baustahl-Korsett, das seine Statik verbessert
  • StadttoreIm Palazzo Rasponi delle Teste (17.–18. Jahrhundert) ist eine Außenstelle der Universität Bologna untergebracht.
    • Porto Serrata
    • Porto Adriana
    • Porto Gaza
    • Porto S. Mam
    • Porto Sisi
    • Portonaccio
    • Porto Nuova
  • Der Palazzo Rasponi Murat (15.–16. Jahrhundert) ist seit dem 16. Jahrhundert im Privatbesitz der Familie Spalletti.
  • Das Planetarium befindet sich in der öffentlichen Parkanlage südlich des Bahnhofsvorplatzes.
  • Theoderich-Park (Parco di Teodorico)
  • Die Zitadelle Brancaleone (Rocca Brancaleone), in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts durch die Venezianer erbaut, liegt nördlich des Bahnhofsvorplatzes. In den Ruinen befindet sich heute ein Freilicht-Theater und eine Parkanlage.
  • Im Friedenspark (Parco delle Pace) ist eine Ausstellung moderner Mosaiken zeitgenössischer Künstler zu sehen
  • Der Springbrunnen Andrea Purpurea (Fontana Andrea Purpurea, Piazza della Resistanza) ist eine elegante Kreation moderner Gestaltungskunst.

Sehenswürdigkeiten in der Umgebung:

  • Archäologische Zone von Classe (Parco Archeologico di Classe), unweit der Kirche Sant’Apollinare in Classe
  • Museum für mechanische Musikinstrumente, 10 Kilometer südlich an der Straße in Richtung Cesena
  • Museum für moderne Inneneinrichtung, 9 Kilometer westlich, entlang Via Maggiore und Via Faentina an der Straße in Richtung Bologna
  • Franzosensäule, 5 Kilometer südlich an der Straße in Richtung Forli; erinnert an die Schlacht zwischen Spaniern und Franzosen im Jahr 1512, errichtet im Jahr 1557 im Ort Madonna dell’Abero
  • Garibaldi-Hütte (Capanno Garibaldi, 1810), 8 Kilometer nordöstlich an der Straße in Richtung Marina Romea und Porto Corsini; eine Fischerhütte von historischer Bedeutung, in der der italienische Staatsgründer Giuseppe Garibaldi Unterschlupf gefunden hatte
  • Römische Villa in Russi (Villa romana di Russi), Via Fiumazzo – Russi (Ra.), ca. 16 km in Richtung Bologna

Basilica San Vitale (© Pixabay-License / mbscuola)