Pistoia

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Pistoia ist die Hauptstadt der toskanischen Provinz Pistoia in Italien. Sie hat 90.195 Einwohner (Stand 31. Dezember 2017) und liegt 30 km von Florenzentfernt am Fluss Ombrone Pistoiese. 2017 war Pistoia die Capitale Italiana della Cultura, Italiens Kulturhauptstadt, was mit einem Festakt im Rathaus am 15. März eingeleitet wurde. Pistoia ist eine Industriestadt, die für Metallerzeugnisse und die größte Dichte an Baumschulen in Europa bekannt ist. Pistoia ist Sitz des römisch-katholischen Bistums Pistoia, das bis auf das 3. Jahrhundert zurückgeht.


Geographie:

Die Stadt liegt am nordwestlichen Rand der weiten Nordtoskanischen Ebene, in der die drei Großstädte Florenz, Prato und Pistoia liegen. Das Gemeindegebiet von Pistoia wird von vielen Flüssen und Bächen durchzogen. Diese Flussläufe sind recht klein und lassen sich alle als Wildbäche bezeichnen. Der wichtigste Flusslauf ist der Ombrone Pistoiese, der die Stadt nach Westen hin durchzieht. Ein weiterer wichtiger Fluss ist die Brana, der die Stadtmauer nach Nordosten hin umfliesst.

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Klima:

Klima der Stadt Pistoia / Klimastationen der Provinz Pistoia / Klima der Toskana

Das Klima der Stadt wird zu einem durch die Lage am nordwestlichen Ende der Nordtoskanischen Ebene, und zum anderen durch die Nähe zu den Höhenzügen des Apennin und der Pistoia-Berge beeinflusst. Die thermischen Abweichungen sind recht hoch, während die nahegelegenen Stadt Prato durch geringer Belüftung und stärkeren Niederschlägen gekennzeichnet ist. Pistoia ist eine der kältesten Städte der Toskana, während der Wintersaison, während die Sommer aufgrund des höheren Luftaustauschs angenehmere Nachttemperaturen aufweisen. Die Tageswerte im Januar steigen über die +10°C, während die Nachttemperaturen unter den Gefrierpunkt fallen können. Obwohl die Tageswerte im milden Bereich liegen, ist das Kältegefühl aufgrund der hohen Luftfeuchte verstärkt. Schnee kann fallen, wenn auch wenig und mit kurzer Dauer der erhaltenden Schneedecke. Die beiden Hochsommermonate Juli und August weisen eine schwüle Hitze auf. Der geringe Regen kommt in Form von Gewittern herab. Die Winter sind im Allgemeinen relativ trocken und kalt. Die Rekordtemperaturen liegen zwischen -13°C und +42,4°C.


Geschichte:

Vorgeschichte:

Unter dem Namen Pistorium wurde im zweiten Jahrhundert vor Christus ein römisches Oppidum gegründet, das vor allem der Versorgung der Truppen diente, die im Kampf gegen die Ligurer standen. Die Stadt wird auch von Sallust erwähnt: Er berichtet von der Schlacht bei Pistoria im Jahr 62 v. Chr., in der der Verschwörer Catilina umkam (De coniuratione Catilinae).

Spätantike:

406 wurde Pistorium von den Westgoten zerstört. Nach dem Wiederaufbau kam die Stadt unter byzantinische Oberherrschaft. Im achten Jahrhundert erlebte sie eine kurze Blüte unter den Langobarden.

Mittelalter und Frühe Neuzeit:

Im zwölften Jahrhundert war Pistoia eine unabhängige Comune mit lebhafter Wirtschaft und schneller urbaner Ausdehnung. Die zweite Stadtmauer wurde in dieser Zeit errichtet. Diese vervierfachte die ummauerte Stadtfläche gegenüber der ersten Mauer aus dem siebten bis achten Jahrhundert. Die Entwicklung der Stadt wurde dann jedoch durch die inneren Kämpfe zwischen Ghibellinen und Guelfen und die Rivalität der benachbarten Städte Florenz und Lucca behindert. Das 14. Jahrhundert war so durch viele Kriege geprägt, in denen Pistoia schließlich der florentinischen Macht unterlag. Die inneren Fehden wurden dadurch nicht beendet, und auch im 15. Jahrhundert hielten die Kämpfe zwischen den Familien der Panciatichi und der Cancellieri an. Mit der Gründung des Großherzogtums Toskana wurde Pistoia endgültig Teil der mediceischen Machtsphäre. Cosimo I. de’ Medici ließ die dritte Stadtmauer errichten, die noch heute existiert. In der frühen Neuzeit war Pistoia politisch unbedeutend. Zu verzeichnen ist lediglich die Wahl des Pistoiesen Giulio Rospigliosi zum Papst Clemens IX. im Jahr 1667.

Neuzeit:

Mitte des 19. Jahrhunderts begann Pistoia wieder zu wachsen und dehnte sich über die dritte Stadtmauer hinaus aus. 1927 wurde Pistoia von Benito Mussolini zur Hauptstadt der gleichnamigen Provinz erhoben.


Sehenswürdigkeiten:

Das Stadtzentrum bietet bedeutsame historische Bauwerke:

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Kirchen:

  • der Domplatz
  • die Kathedrale San Zeno (Dom)
  • die Kirche der Madonna der Demut (Chiesa della Madonna dell’Umiltà) mit der drittgrößten Kuppel Italiens
  • die Kirche Sant’Andrea mit der Kanzel von Giovanni Pisano

Weitere Bauwerke:

  • das Baptisterium (Battistero) am Domplatz, 1359 durch Cellino di Nese nach den Plänen von Andrea Pisano vollendet
  • das Städtische Museum (Museo Civico) im Palazzo Comunale (Bauzeit 1294–1385)
  • Ospedale del Ceppo (Krankenhaus) – Vorhalle mit Keramikbildfriesen und -tondi u. a. von Giovanni della Robbia

Festivals und Konzerte:

  • ein jährliches Blues-Festival Anfang Juli mit Künstlern wie B. B. King, Jerry Lee Lewis oder Chuck Berry, Konzerte auf dem Domplatz
  • der Skulpturenpark Villa Celle

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