Pavia

Pavia (deutsch älter auch: Pawei) ist eine Stadt mit 68.313 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012) in der südwestlichen Lombardei im Norden Italiens am FlussTicino, etwa 35 Kilometer südlich von Mailand gelegen. Pavia ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, bekannt für ihre landwirtschaftlichen Produkte wie Weine, Reis, Getreide und Molkereiprodukte. Mehrere Industriegebiete liegen in den Vororten Pavias. Die Stadt beherbergt eine der ältesten Universitäten Europas, die Universität Pavia. Seit dem 1. Jahrhundert ist der Ort Sitz eines Bistums.

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Geschichte:

Bereits in der vorrömischen Zeit war die damalige Stadt Ticinum Papiae eine größere Siedlung und später im Römischen Reich befestigte Garnison. Unter Kaiser Aurelian befand sich hier unter Leitung von Gaius Valarius Sabinus die größte römische Münzprägeanstalt. Schließlich wurde die Garnison zur Zitadelle umgebaut und war das letzte Bollwerk der Ostgoten, die Italien Ende des 5. Jahrhunderts erobert hatten, gegen die Oströmer. Nach der Eroberung durch die Langobarden, die 568 in Italien einfielen (Pavia fiel aber erst nach einer dreijährigen Belagerung) wurde Pavia Hauptstadt des Langobardenreichs. Die Stadt wurde dann später von Karl dem Großenerfolgreich belagert. Bis ins Spätmittelalter hinein behielt Pavia, nun Teil des Heiligen Römischen Reiches, allerdings eine große symbolische Bedeutung. In den folgenden Jahrhunderten gehörte Pavia zu den wichtigsten Städten Italiens. Im Jahr 1359 wurde es von der Familie der Visconti, den Herrschern Mailands erobert und wurde ein Zentrum der norditalienischen Kunst und Wissenschaft; 1361 wurde der erste Lehrstuhl an der Universität eingerichtet. Studenten der christlichen Länder Europas strömten nach Norditalien. Während der bourbonisch-habsburgischen Kriege um Italien kam es ab dem 28. Oktober 1524 zur mehrmonatigen Belagerung der Stadt durch ein französisches Heer mit König Franz I. an der Spitze. Die Niederlage und Gefangennahme des Königs von Frankreich in derSchlacht bei Pavia im Februar 1525 ist eines der bedeutendsten Ereignisse der europäischen Frühneuzeit. Sie ging dem Krieg von 1526/27 voraus, der die Italiener Karl V. unterlegen zeigte und in eine bis 1713 währende spanische Besetzung führte. Pavia wurde durch österreichische Potentaten bis 1796 regiert, als es schließlich in die Hände der französischen Armee unter Napoleon Bonapartegeriet. 1815 wurde die österreichische Verwaltung wieder hergestellt, bis der zweite italienische Unabhängigkeitskrieg 1859 und die im Jahr darauf folgende Vereinigung Italiens folgte. Von 1859 bis 1927 existierte der Kreis Pavia. In Pavia lebte 1894 in der Via Ugo Foscolo, 11 (Hause Cornazzani) für etwa ein Jahr der fünfzehnjährige Albert Einstein mit seiner Familie.

Sehenswürdigkeiten:

San Michele Maggiore:

Die im lombardisch-romanischen Stil erbaute Basilika San Michele Maggiore ist das bekannteste und wichtigste religiöse Bauwerk der Stadt. In ihrer während der langobardischen Periode errichteten Vorgängerkirche wurde im Jahre 774 Karl der Große zum König der Langobarden gekrönt. Das Gebäude wurde im Jahre 1004 durch einen Brand zerstört. Von ihr stammt noch der untere Teil des Glockenturms. Die Arbeiten am heutigen Bau begannen gegen Ende des 11. Jahrhunderts und dauerten bis zum Jahre 1155 an. San Michele wird als der Prototyp zahlreicher mittelalterlicher Kirchenbauten der Region angesehen. Trotzdem unterscheidet sie sich von den anderen Kirchen der Stadt durch den Verbau des empfindlichen Sandsteins anstelle des üblichen Ziegelsteins sowohl bei den Kernmauern als auch den Verzierungen. Die architektonische Gestaltung der auf einem kreuzförmigen Grundriss erbauten Kirche wird vor allem durch das außergewöhnlich stark entwickelte Querschiff geprägt, welches auf der Nordseite mit einer eigenen Fassade und auf der gegenüberliegenden Südseite mit einer eigenen Apsis ausgestattet ist und aus einem Tonnengewölbebesteht, das sich von den Kreuzgewölben der anderen Kirchenteile grundlgegend unterscheidet. Man könnte den Eindruck gewinnen, es handele sich um eine zweite Kirche, die den ursprünglichen Bau im rechten Winkel durchdringt. Der heutige Zustand der Fassade und besonders ihrer bedeutenden Reliefs ist desolat. Ihr Verfall ist sehr weit fortgeschritten, obwohl man hier schon in den 60er Jahren versucht hatte, ihn zu stoppen. S. Michele wurde als einzige Kirche der Stadt mit Kalkstein verkleidet, der jedoch schnell verwittert. Norditalien übernahm in seiner Architektur in dieser Zeit viele Anleihen aus Nordeuropa. Aber das gilt in erster Linie für die Gestaltung des Baukörpers, also der Kirche als plastische Gesamtgestalt. Bei den Fassaden hat man aber einen eigenen Weg eingeschlagen. Man blieb bei den vergleichsweise glatten Außenmauern und setzte hier die Traditionen aus dem altchristlichen und byzantinischen Bereich fort. Und diese glatte Fassadenfläche wurde gestaltet mit den Mitteln der reifen romanischen Baukunst, von denen allerdings zwei doch wieder aus dem Norden stammen: die Dreiportalanlage aus Frankreich und die Zwerggalerieaus Deutschland.

San Pietro in Ciel d´Oro: 

Die Basilica minor San Pietro in Ciel d’Oro (‚Sankt Peter im goldenen Himmel‘) hat eine lange und bedeutende Geschichte, die bis zum Beginn des 5. Jahrhunderts zurückverfolgbar ist. Der 604 erstmals erwähnte Vorgänger des heutigen Kirchenbaus ist an der Stelle errichtet worden, an der Severinus Boëthius, römischer Berater des Ostgotenkönigs Theoderich, hingerichtet worden war. Der zu Lebzeiten hoch geschätzte Gelehrte war aus politischen und religiösen Gründen zum Tode verurteilt worden und wird daher als Märtyrerverehrt. Seine Gebeine befinden sich noch heute in der Krypta unter dem Altarraum. Dieser Zusammenhang wird von Dante Alighieri in seiner Göttlichen Komödie erwähnt.  Ihre heutige Form erhielt die Kirche im Jahre 1132, nachdem das alte Gebäude 924 von den Awaren zerstört worden war. Im Gegensatz zu San Michele wurde hier Ziegelstein verwendet, in anderen Dingen, wie der Fassade, der Kuppel und dem Mosaikfußboden, ähneln sich die Kirchen jedoch. In den hintersten Pfeiler des rechten Seitenschiffes ist das Grab des Langobardenkönigs Liutprand († 744) eingelassen. Die Kirche ist darüber hinaus die letzte Ruhestätte des Heiligen Augustinus von Hippo, dessen Gebeine von Liutprand im Jahre 720 von Sardinien hierher gebracht wurden. Sie sind in dem bekannten Sarkophag des hl. Augustinus bestattet, einem von Gian Galeazzo Visconti finanzierten, mit 95 Figuren und 50 Marmorreliefs verzierten Altar, der in der Mitte des Presbyteriums steht. Des Weiteren befindet sich in dieser Kirche eine Darstellung der Vier Gekrönten, auch Quattuor Coronati, genannt.

Castello Visconteo:

Das Castello Visconteo wurde 1360 von Galeazzo II. Visconti errichtet. Heute ist im Schloss das Städtische Museum untergebracht. Der das Schloss umgebende Park erstreckte sich einstmals über zehn Kilometer bis zur Certosa di Pavia. Heute noch sind Teile davon unter dem Namen Parco della Vernavola erhalten.

Duomo di Pavia: 

Pavias Dom ist ein imposantes Bauwerk mit dem Grundriss in der Form eines griechischen Kreuzes. Mit dem Bau der Kathedrale wurde bereits 1488 begonnen, sie blieb allerdings bis 1898 unvollendet. In diesem Jahr wurde die Fassade und die Kuppel nach Originalplänen von Giovanni Antonio Amadeo ergänzt. Die achteckige Kuppel ist mit einer Höhe von 97 Metern, einem Gewicht von ca. 20000 Tonnen und einer Anzahl von 34 Fenstern die drittgrößte Kuppel Italiens nur überboten vom Petersdom in Rom und Santa Maria del Fiore in Florenz. Neben dem Dom stand der mittelalterliche Glockenturm (Campanile), dessen Einsturz am 17. März 1989 vier Todesopfer forderte.

Ponte Coperto: 

Das historische Zentrum der Stadt befindet sich nördlich des Flusses Ticino, direkt gegenüber liegt der Stadtteil Borgo Ticino, der ursprünglich außerhalb der Stadtbefestigung lag. Beide Seiten wurden von der 1351 bis 1354 errichteten Ponte Coperto verbunden, welche während des Zweiten Weltkrieges zerstört wurde. Die heutige Brücke ist eine Rekonstruktion aus den 50er-Jahren, welche einige Meter weiter östlich des ursprünglichen Standortes errichtet wurde. Die Lage der alten Brücke ist aus dem Straßenverlauf und den bei Niedrigwasser sichtbaren Pfeilerfundamenten im Flussbett ersichtlich.

Certosa di Pavia:

Die Kartause von Pavia ist ein beeindruckender Klosterkomplex acht Kilometer nördlich von Pavia. Die Anlage wurde von Gian Galeazzo Visconti gestiftet und im Jahre 1396 wurde mit dem Bau begonnen. Bis ins 18. Jahrhundert wurde sie mehrmals erweitert und umgestaltet. Das Kloster wird heute von Zisterziensermönchen bewirtschaftet und kann täglich (außer montags) besichtigt werden.

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