Parma

Parma ist eine oberitalienische Großstadt mit 177.714 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012, Großraum: 425.000 Einwohner) in der südwestlichen Poebene. Das in der Region Emilia-Romagna gelegene Parma ist neben Mailand, Turin, Genua, Bologna und Venedig ein führendes Wirtschaftszentrum Norditaliens mit Schwerpunkt in der Nahrungsmittelindustrie. Parma verfügt über eine altehrwürdige, nach einer mittelalterlichen italienischen Tradition den sogenanntenUniversitates Citramontanorum zugehörende Universität und den internationalen Flughafen Aeroporto di Parma Giuseppe Verdi. Es ist an einer der Hauptautobahnen Italiens, der A1, die sich von Mailand über Rom bis Kalabrien erstreckt, ausgesprochen verkehrsgünstig gelegen.

Die Kuppel des Domes mit Blick auf dem Kirchturm der Abazzia San Giovanni Evangelista (© Pixabay-License / Valter Cirillo )


Geographie:

Bassa Parmese /

Der Fluss Parma, ein Nebenfluss des Pos, teilt das Zentrum in das sogenannte Neue und Alte Parma (quartiere Oltretorrente). Die Stadt liegt in der Po-Ebene der westlichen Emilia in Norditalien. Parma wird vom Wildbach Parma geteilt. Die Parma ist ein Sulzbach mit wechselnden Wasserläufen und turbulenten Änderungen des Wasserstandes in den Wintermonaten. 2005 wurden Maßnahmen eingeleitet, um die Stadt vor Überschwemmungen zu schützen. Der Stausee liegt wenige Kilometer südlich des Stadtzentrum und kann insgesamt 12 Mio. m³ Wasser aufnehmen. Die Staumauer ist 260 m lang und 24 m hoch. Die Landschaft des Stadtgebiets ist völlig flach und wird durch zwei Wasserläufe durchzogen, zu einem der Taro (Westen) und die Enza (Osten). Die ersten Vorberge des Apennins liegen 15 km südlich der Stadt. Nördlich der Stadt erstreckt sich die Bassa parmese, der Teil der Po-Ebene in der emilianischen Provinz Parma.

Nachbargemeinden:

Nachbargemeinden der Stadt Parma sind Traversetolo, Lesignano de ‚Bagni, Langhirano, Felino, Sala Baganza und Collecchio.


Klima:

Klima der Stadt Parma / Klimastationen der Provinz Parma / Klima der Emilia-Romanga

Das Klima in Parma ist subkontinental mit sehr heißen und schwülen Sommern. Parma liegt in der subtropischen Klimazone, weist aber aufgrund seiner Inlandlage, ein kontinental geprägtes Klima auf. Daher sind die Sommer deutlich heisser, als an den ligurischen Küstenstädten. Jedoch sind die Winter aufgrund der fehlenden Milderung durch das Meer deutlich kälter. Die Luftmassen des Mittelmeers werden von den Bergzügen der Westalpen und des Apennins abgehalten. Die Tagestemperaturen steigen weit über +30°C. Die minimalen Rekordtemperaturen im Stadtgebiet liegen zwischen -25°C im Stadtzentrum und -33°C in den Landgebieten. Während des Winters 2011 sank die Temperatur auf -24°C. Die absoluten Höchstwerte liegen bei knapp +40°C am Flughafen und über +40°C im Stadtgebiet. Schneefälle sind in den Bergregionen des Apennins recht häufig, während die Stadt deutlich geringeren Schneefall mit 35 bis 40 cm pro Jahr aufweist. Im Herbst tritt das Phänomen des Nebels häufig auf, besonders nördlich der Via Emilia und in der Nähe des Pos. Der nasseste Monat ist der Oktober mit ca. 90 mm, während der Juli mit um die 30 mm der trockenste Monat ist.

1961-1990:

1981-2010:

Parma Università (1961-1990):

Parma Idrografico (1981-2010):


Geschichte:

Die Geschichte der Stadt geht bis auf die Etrusker zurück. Der römische Konsul Marcus Aemilius Lepidus gründete im Jahre 184 v. Chr. am rechten Ufer des Flusses Parma die heute gleichnamige Stadt.

Mittelalter:

Dom und Bapisterium von Parma (© Pixabay-License / joakant)

Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches wurde es von verschiedenen Mächten beherrscht: den Langobarden, fränkischen Pfalzgrafen, dem Kirchenstaat, Mailand, den Herzögen Farnese, den Bourbonen, Habsburgern, wieder Bourbonen, Napoleon bis zu Marie-Louise von Österreich.

Frühe Neuzeit:

Das frühneuzeitliche Herzogtum (Ducato) Parma wurde 1545/47 von Papst Paul III.(1534–1549) nach Abtrennung von Mailand für den illegitimen Sohn Pier Luigi Farnese (1503–1547) geschaffen, dessen Nachfolger Ottavio Farnese (1524–1586) es gelang, die Herrschaft der Farnese in Parma zu stabilisieren und 1556 auf das zweite, seither mit Parma verbundene Herzogtum Piacenza auszudehnen, das bereits Pier Luigi vor der Ermordung kurzzeitig mitbeherrscht hatte. Der dritte Herzog Alessandro Farnese (1586–1592) war ein unter dem Namen „il Gran Capitano“ berühmter Feldherr des habsburgischen Kaiserhauses.

17./18. Jahrhundert:

Im 17. Jahrhundert nahm die Bedeutung des Herzogshauses ab, das 1731 in männlicher Linie ausstarb. Eine Prinzessin von Parma, Elisabetta Farnese, war jedoch als Gemahlin Philipps V. von Spanien die Stammmutter der spanischen Bourbonen-Könige († 1766). Sie nutzte die Machtmittel ihres Reiches und des verbündeten Frankreichs, um in Italien – dessen dortige spanisch-habsburgische Besitzungen nach dem Spanischen Erbfolgekrieg 1714 der spanischen Krone völlig verlorengegangen waren – die Herrschaft ihrer Dynastie zu errichten. Dabei zielte sie auch auf ihre Heimat Parma und Piacenza, die sie 1731 durch internationale Verträge ihrem ältesten Sohne Karl I. (dem späteren Karl III. von Spanien) zu sichern wusste. Ein weiterer französisch-spanischer Erfolg im Polnischen Erbfolgekrieg 1735 zwang Österreich dazu, das bisher habsburgische Doppelkönigreich Neapel und Sizilien an Karl abzutreten, wofür jedoch Parma an den Habsburger-Kaiser Karl VI. (1711–1740) und an dessen Tochter Maria Theresia (1740–1780) fiel. Der um ihr Erbe geführteÖsterreichische Erbfolgekrieg endete 1748 für Parma jedoch mit einem weiteren Verzicht der Habsburger zugunsten der spanischen Bourbonen: Der zweite Sohn der Königin Elisabeth, Philipp (1748–1765), begründete damals die herzogliche Linie dieser Dynastie, deren Mitglieder aufgrund ihrer königlich-spanischen Abkunft jedoch auch den Titel eines Infanten von Spanien mit der Anrede „Königliche Hoheit“ führten. Die 1769 geschlossene Ehe zwischen Philipps Sohn Herzog Ferdinand (1751–1802) und Maria Theresias Tochter Erzherzogin Maria Amalia (1746–1804) führte auch in Parma-Piacenza zu einem bourbonisch-habsburgischen Ehebündnis – ebenso wie in Frankreich und auch in Neapel-Sizilien 1770 zwischen Ludwig XVI. und Maria Amalias Schwester Marie Antoinette. In den französischen Revolutionskriegen wurde das Doppelherzogtum Ende der 1790er-Jahre von den Franzosen besetzt. Napoleon vereinbarte 1801 mit Spanien und dem Hause Bourbon-Parma, dass das Doppelherzogtum nach dem Tode Herzog Ferdinands an Frankreich fallen sollte, während dessen Herrscherhaus in der Toskanaentschädigt werden sollte, wo dafür ein neues Königreich Etrurien geschaffen wurde.

Herrschaft der Franzosen und Bourbonen:

Parma-Piacenza fiel 1802 an Frankreich (wo Napoleon später zwei seiner Günstlinge zu nominellen Herzögen einsetzte), Etrurien wurde den parmesischen Bourbonen 1807 ebenfalls abgenommen. Doch auch nach dem Ende der Herrschaft Napoleons 1814 konnte der Erbe der bourbonischen Ansprüche, Karl II. von Bourbon-Parma (* 1799; † 1883), nicht zurückkehren, da das Doppelherzogtum auf dem Wiener Kongress von den Großmächten für die österreichische Kaisertochter und bisherige französische Kaiserin Marie Louise (* 1791; † 1847) auf Lebenszeit reserviert worden war. Erst nach ihrem Tode sollten Parma und Piacenza an das Haus Bourbon-Parma zurückfallen, für die Zwischenzeit wurden die bourbonische Herzoginwitwe Maria Luisa (1817–1824) und Karl II. (1824–1847) nach anfänglichem Sträuben mit dem kleinen, eigens neu geschaffenen Herzogtum Lucca abgefunden. Dort verzichtete Karl II. jedoch schon vor dem vereinbarten Wechsel in sein Stammland aus Furcht vor revolutionären Entwicklungen im Oktober 1847 auf den Thron, Lucca fiel vertragsgemäß an das habsburgische Großherzogtum Toskana.

Risorgimento:

Nach dem Tode der Kaiserin Marie Luise im Dezember 1847 trat dann der kurzfristig landlose Bourbone Karl II. seine angestammte Herrschaft in Parma und Piacenza an, wo er jedoch bereits im Folgejahr 1848 – wie alle Regierungen Italiens – erneut mit der Revolution und dem Bestreben nach nationaler Einheit konfrontiert wurde. Zweimal – im April 1848 und (nach seiner Rückkehr im August 1848) im März 1849 – flüchtete der Herzog aus dem Land, in das er danach nie mehr zurückkehrte, da er entnervt zugunsten seines Sohnes Karl III. (1849–1854) abdankte. Der junge Herzog Karl III. kehrte im August 1849 unter dem Schutz österreichischer Truppen nach Parma zurück und errichtete ein reaktionäres Willkürregime, das ihn derart verhasst machte, dass er – von kaum jemand betrauert – im März 1854 in Parma auf offener Straße von einem Unbekannten erdolcht wurde. Für den noch unmündigen Thronerben Herzog Robert (1854–1859/60) übernahm dessen Mutter, die gebürtige französische Bourbonen-Prinzessin Louise Marie von Bourbon (* 1819, † 1864), die Regentschaft. Ihre kluge Regierung verschaffte ihr persönlich hohes Ansehen, konnte jedoch den Sturz der Dynastie nach der militärischen Niederlage der Schutzmacht Österreich gegen das Frankreich Napoléons III. und gegen Sardinien im Jahre 1859 nicht verhindern. Im Juni 1859 flüchtete die Herzogin-Regentin mit ihren Kindern in die Schweiz und später nach Österreich. Im März 1860 schlossen sich die revolutionären Doppelherzogtümer Parma und Piacenza dem Königreich Sardinienan und gingen 1861 im neuen Einheitsstaat Italien auf. Eine Tochter des letzten Herzogs Robert von Bourbon-Parma (* 1848; † 1907) war Prinzessin Zita (* 1892; † 1989), die als Gemahlin des Habsburgers Karl I. zwischen 1916 und 1918 Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn war.

1./2. Weltkriege bis Heute:

Zitas Bruder Prinz Sixtus (Sizzo) von Bourbon-Parma war der Namensgeber der diplomatischenSixtus-Affäre im Ersten Weltkrieg. Beider Neffe Prinz Carlos Hugo von Bourbon-Parma (* 1930; † 2010) erbte die Thronansprüche der karlistischen Gegenkönige der spanischen Bourbonen (siehe auch Karlistenkriege), verzichtete jedoch nach der effektiven Wiedererrichtung der spanischen Monarchie nach 1975 zugunsten des regierenden Königs Juan Carlos I. aus der bourbonischen Linie der Königin Isabella II..


Sehenswürdigkeiten:

  • Der romanische Dom Santa Maria Assunta mit Veränderungen im Inneren aus der Renaissance und gotischen Fresken in den Seitenkapellen und einem perspektivisch interessanten Fresko von Correggio in der Kuppel (Mariä Aufnahme in den Himmel)
  • Kupple des Bapisterium von Innen (© Pixabay-License / Valter Cirillo)

    Das achteckige Baptisterium aus dem 13. Jahrhundert mit einer Fassade aus rosa Veroneser Marmor

  • Das Benediktinerkloster San Giovanni Evangelista, mit der nach einem Brand im 15. Jahrhundert neuerbauten Abteikirche mit manieristischer Fassade und einem Kuppelfresko von Correggio
  • Die Basilica di Santa Maria della Steccata (= an der Umzäunung) mit dem Grab von Maria Luise und Neippberg
  • Die Camera della Badessa oder Camera di San Paolo im ehemaligen Kloster San Paolo mit Fresken von Correggio
  • Das ehemalige Kloster San Martino di Bocci, fälschlich als Certosa di Parma bekannt
  • Die Benediktiner-Abtei San Giovanni Evangelista
  • Der Palazzo della Pilotta aus dem 16. Jahrhundert mit dem Teatro Farnese aus dem 17. Jahrhundert.
  • Das Teatro Regio di Parma, 1829 von Maria Luise eingeweiht.
  • Die Zitadelle ließ Herzog Alessandro Farnese am Ende des 16. Jahrhunderts als Machtdemonstration und als Beschäftigungsmaßnahme für die Bevölkerung errichten. In der fünfeckigen Anlage am Rande der historischen Stadt findet sich heute eine öffentliche Grünanlage mit Sportgeräten und Kinderspielplätzen.

Umgebung von Parma:

Fontanellato:

Fontanellato (© Pixabay-License / pagarau)

Die Stadt liegt 16 km nordwestlich von Parma und ist für ihre Burganlagen bekannt. Zu diesen Burgen zählt die Rocca (Rocco) Sanvitale. Diese Wasserburg ist von einem Wassergraben umrundet und ist über eine Zugbrücke zu erreichen. Begonnen wurde der Bau im 13. Jh. Im 15. Jh wurde der Bau weitgehend fertigstellt.

Langhirano:

Die Kleinstadt Langhirano liegt 15 km südlich von Parma. Sie ist der Hauport der Herstellung des Parma-Schinkens. Das Wahrzeichen der Stadt ist die Torrechiara-Burg. Diese thront über das Parma-Tal und wurde zwischen 1448 und 1460 erbaut.

Torrechiara (© Pixabay-License / Valter Cirillo)