Neapel

Neapel (Napoli) ist mit knapp einer Million Einwohnern die drittgrößte Stadt Italiens. Sie ist Hauptstadt der Region Kampanien sowie der Provinz Neapel und ein wirtschaftliches und kulturelles Zentrum Süditaliens. Die Metropolregion hat zwischen 3 und 4,4 Millionen Einwohner. Die Stadt war anfangs eine griechische Siedlung und trug den Namen Neapolis („Neustadt“). Später geriet sie unter römische Herrschaft. Vom Spätmittelalter bis zum 18. Jahrhundert gehörte Neapel zu den größten Städten Europas. Seine politische Geschichte ist über weite Strecken von Fremdherrschaft geprägt, zugleich war es die Hauptstadt süditalienischer Reiche. Viele Neapolitaner sprechen das stark vom Standarditalienischen abweichende Neapolitanisch. In den inneren Stadtteilen findet man zahlreiche historische Bauten und Kulturdenkmäler, 1995 wurde die gesamte Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Das Stadtbild ist heterogen, es gibt Vorstädte mit riesigen Wohnkomplexen und weiten Flächen genauso wie die engen und stark frequentierten Gassen der Altstadt. Während in den Stadtteilen westlich des Zentrums der Reichtum konzentriert ist, findet man im Gegensatz zu anderen europäischen Großstädten auch in inneren Bezirken und der Altstadt Überbevölkerung und ökonomisch rückständige Gebiete. Die soziale Lage der Vorstädte ist verschieden, es handelt sich teils um Arbeiterviertel, teils um im Zuge des sozialen Wohnungsbaus entstandene Satellitenstädte, teils aber auch um rurale Landschaften. Die dortige schlechte Infrastruktur und Arbeitslosigkeit ist der Nährboden für organisierte Kriminalität. Vor allem Massenmedien forcieren ein Neapelbild, das Armut, Verkehrschaos und Schmutz, organisierte Kriminalität und Unproduktivität in den Vordergrund stellt. Ein großes Problem ist die überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit.

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Geographie: 

Neapel liegt an einer 30 km langen Meeresbucht, dem Golf von Neapel. An diesem Golf liegt eine 13 km lange Caldera, die Phlegräischen Felder (Campi Flegrei). Sie werden von ungefähr 40 kleinen und großen Vulkankratern geformt, deren bekanntester die Solfatara ist. Zu einiger Bekanntheit brachte es auch der so genannte Monte Nuovo (Neuer Berg). Er erhielt seinen Namen, weil er in nur wenigen Tagen entstand, als der Vulkan 1538 das einzige Mal ausbrach. Auf der anderen Seite Neapels, ebenfalls am Golf, befindet sich einer der berühmtesten Vulkane der Welt, der Vesuv. Er ist rund 17.000 Jahre alt und 1.281 m hoch. Es handelt sich um einen aktiven Vulkan, der besonders wegen der Nähe zu städtischen Gebieten als einer der gefährlichsten Vulkane gilt. Das letzte Mal brach er im Jahr 1944 aus, als sich im Zweiten Weltkrieg gerade amerikanische Truppen und Kamerateams in Neapel aufhielten, die den Ausbruch festhielten.

Klima: 

Wetterbestimmend für die Stadt ist das mediterrane Klima mit milden und regenreichen Wintern sowie heißen und trockenen Sommern, wobei die Spitzen der Sommerhitze durch die Lage am Meer leicht abgemildert werden. Im Juli und August ist die durchschnittliche Temperatur 30°C und im Winter fällt es selten unter den Gefrierpunkt.

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13°C14°C17°C20°C24°C28°C30°C31°C27°C23°C18°C14°C
5°C5°C8°C10°C15°C18°C20°C21°C17°C14°C10°C7°C

Umgebung: 

Neben dem Vesuv wurden die im Jahr 79 von Lava und Asche verschütteten und dadurch außergewöhnlich gut erhaltenen Römerstädte Herculaneum und vor allem Pompeji (über 2 Millionen Besucher im Jahr) Zentren des Tourismus. Etwa eine Autostunde südöstlich von Neapel befindet sich die Amalfiküste, die 1997 in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurde. Die Haupteinnahmequelle dieser historischen Kulturlandschaft ist der Tourismus. Zu den wichtigsten Orten, die alle an den steilen Küsten liegen, zählen Amalfi, Praiano und Positano. Westlich von Neapel gibt es außer den bewachsenen vulkanischen Landschaften der Campi Flegrei zahlreiche Dörfer und Ortschaften mit Stränden sowie Ausgrabungen aus griechischer undrömischer Zeit. Zu den wichtigsten zählen Capua, Cumae, Pozzuoli und Bacoli. Im Golf von Neapel liegen drei Inseln, die bekanntesten dürften Capri und Ischia sein, wo sich zahlreiche Thermalbäder, Hotels und Strände, befinden. Die kleinste und am wenigsten touristisch erschlossene Insel ist Procida. 40 Kilometer nördlich von Neapel befindet sich eines der größten Schlösser Europas, der Palast von Caserta. Die Königsresidenz wurde im 18. Jahrhundert erbaut und zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Aus derselben Zeit stammt auch der Königspalast Portici im Westen Neapels.

Geschichte:

Vor der Gründung Neapels durch die Griechen war die Region Kampanien von italischen Völkern besiedelt, den Oskern (auch: Kampaniern), den Samniten und den eingewanderten Etruskern.

Sehenswürdigkeiten:  

Die drei bedeutendsten und das Stadtbild prägenden Festungen (Castelli) sind das Castell Nuovo, das Castel Sant’Elmo und das Castel dell’Ovo. Das Castel Nuovo befindet sich am Hafen, vor dem Rathausplatz. Es wurde im 13. Jahrhundert unter den Anjou erbaut und hatte die Funktion einer Stadtburg, in der seitdem die Armeen der fremden Herrscher Neapels (Franzosen, Spanier, und so weiter) untergebracht waren. Im 15. Jahrhundert wurde es komplett umgestaltet und ausgebaut. In der Sala dei Baroni (Saal der Barone) trat bis ins Jahr 2006 der Stadtrat Neapels zusammen, im Westflügel der Burg ist heute das Museo Civico (Museum zur Stadtgeschichte Neapels) untergebracht. Das Castel Sant’Elmo wurde im 14. Jahrhundert auf dem Stadthügel Vomero gebaut. Auf den Mauern der Festung befindet sich ein Rundweg, von dem sich eine unvergleichliche Aussicht über die gesamte Stadt und den Golf von Neapel bietet. Heute beherbergt das Castel verschiedene Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen, unter anderem die Biblioteca di Storia dell’Arte (Kunsthistorische Bibliothek). Die dritte große Festung ist die ebenfalls begehbare Hafenburg Castel dell’Ovo. Sie befindet sich auf einer kleinen Insel im Meer und wurde bereits im 9. Jahrhundert auf älteren Fundamenten einer Kirche aus dem 5. Jahrhundert erbaut. Ihre heutige Gestalt erhielt sie im 13. Jahrhundert. Auf der Insel befindet sich darüber hinaus ein kleines Viertel mit zahlreichen Restaurants. Außer diesen drei Castelli gibt es weitere Festungen, darunter das Castel Capuano, das seine heutige Gestalt im 19. Jahrhundert erhielt, lange als Kerker und Gerichtsgebäude genutzt wurde und heute ein Verwaltungsgebäude ist. Weiter zu erwähnen sind das ehemalige Castello del Carmine und die Caserma Garibaldi.

In Neapel gibt es hunderte Kirchen und zahlreiche Klöster. In den Straßen stehen zahlreiche Vitrinen mit Heiligenbildern. Ein religiöses Zentrum ist der Duomo San Gennaro aus dem 13. Jahrhundert. In seiner Capella del Tesoro di San Gennaro werden die Reliquien und das Blut des Stadtheiligen San Gennaro aufbewahrt, das wegen des so genannten Blutwunders zu einiger Bekanntheit gelangte. Wenn das Blut während der Zeremonie am 1. Mai jedes Jahres nicht flüssig wird, so heißt es, hat die Stadt Neapel ein Jahr lang Pech. Unter dem Dom kann man heute noch das Baptisterium einer älteren Kirche aus dem 5. Jahrhundert besichtigen. Ein weiteres religiöses Zentrum ist der Kirchen- und Klosterkomplex Santa Chiara. Er wurde im 14. Jahrhundert erbaut und beherbergt Königsgräber, einen bekannten Kreuzgang, ein Klarissinnenchor und ein Museum. Santa Chiara wurde während des Zweiten Weltkriegs am 4. August 1943 durch Angriffe von 400 US-Bombern auf die Stadt komplett zerstört. Durch Spenden der Bevölkerung von Neapel wurde die Kirche im ursprünglichen Stil der provenzalischen Gotik wiederaufgebaut. Hinter der unspektakulären Fassade der Jesuitenkirche Gesù Nuovo entfaltet sich unerwartet die Pracht einer barocken Innenausstattung. Die Kirche aus dem 16. Jahrhundert befindet sich zentral am gleichnamigen Platz, direkt gegenüber der Kirche Santa Chiara. Das ehemalige Kloster und heutige Museum Certosa di San Martino liegt auf dem Stadthügel Vomero, knapp unterhalb des Castel Sant’Elmo. Wie dieses bietet die Certosa di San Martino einen schönen Ausblick über Teile der Stadt und des Golfes. Gebaut wurde sie im 14. Jahrhundert, im 17. Jahrhundert wurde das Kartäuserkloster vollständig im Stile des Barock umgestaltet. Im Inneren findet man einen bekannten Kreuzgang und ein kulturhistorisches Museum, das Museo Nazionale di San Martino. An der Piazza San Gaetano findet man zwei Kirchen. Die eine ist San Lorenzo Maggiore, eine Klosterkirche der Franziskaner aus dem 13. Jahrhundert mit barocken Umbauten aus dem 18. Jahrhundert. Im Inneren kann man Bodenmosaike eines frühchristlichen Vorgängerbaus, der Laurentiuskirche aus dem 6. Jahrhundert, sehen. Besonders erwähnenswert sind die Ausgrabungen unter der Kirche, es handelt sich um einen antiken Marktplatz aus griechisch-römischer Zeit. Architektonisch unterscheidet sich die im Stil des Klassizismus erbaute Kirche San Francesco di Paola stark von den anderen neapolitanischen Kirchen. Sie befindet sich gegenüber dem Königspalast an der Piazza del Plebescito. Im Barockkirchlein Cappella Sansevero findet man zahlreiche Marmorskulpturen. Sie war einst die Privatkapelle des Raimondo di Sangro (1710–1771), eines adeligen Erfinders und Alchemisten. Von diesem stammen zwei etwas makabere Exponate im Keller der Kirche, die konservierten Leichname eines Mannes und einer schwangeren Frau. Erhalten sind die Skelette und die vollständigen, durch eine unbekannte Chemikalie, die den beiden wohl in lebendigem Zustand injiziert worden war, kristallisierten Blutgefäße. Weitere bekannte Kirchen sind Santa Maria della Sanità, San Gregorio Armeno und Chiesa di San Domenico Maggiore.

Noch zahlreicher als Kirchen sind die neapolitanischen Paläste (Palazzi) und Villen (Ville), bei denen es sich im Normalfall einfach um Wohngebäude der Oberschicht handelte. Einige von ihnen sind heute Verwaltungsgebäude, andere, meist eher heruntergekommen, werden mittlerweile auch von unteren Gesellschaftsschichten und Studenten bewohnt. Die berühmtesten Paläste sind allerdings die viel größeren, ehemaligen Königspaläste. Der Palazzo Reale ist der ehemalige Palast der Vizekönige und datiert aus dem frühen 17. Jahrhundert. Er liegt an der Piazza del Plebiscito, heute kann man einige Säle, Gänge und Zimmer der königlichen Familie besichtigen. Auch die frei zugängliche Nationalbibliothek ist hier untergebracht. Der Palazzo Reggia di Capodimonte (erbaut ab 1738) ist ebenfalls ein ehemaliger königlicher Palast. Der von einem großen Schlosspark umgebene Palast beherbergt heute eine Museum mit Gemälden von Botticelli, Raffael, Tizian und Caravaggio (siehe: Museen). Im Stadtgebiet und auch an der Ostküste entlang (Miglio d’oro) befinden sich hunderte weitere Paläste und Villen, wie zum Beispiel das Castello Aselmeyer.

Das so genannte Centro Direzionale ist ein 1994 von dem japanischen Architekten Kenzō Tange erbautes, postmodernes Verwaltungszentrum, das als größtes europäisches seiner Art gilt. Als Anbau des Palazzo Reale entstand im 18. Jahrhundert das Teatro San Carlo. Dieses war nach seiner Fertigstellung im 18. Jahrhundert das größte Opernhaus der Welt und über Jahrzehnte eines der bedeutendsten in ganz Europa. Es ist auch heute noch von Bedeutung und vor allem für seine prunkvolle Innenausstattung bekannt. Die Galleria Umberto I ist eine der weltweit ersten großen Einkaufspassagen, die Ende des 19. Jahrhunderts nach dem Vorbild der Mailänder Galleria Vittorio Emanuele II errichtet wurde. Die Katakomben Catacombe di San Gennaro sind eine zweistöckige Friedhofsanlage im Hügel von Capodimonte, benannt nach dem Märtyrer San Gennaro, der nach seiner Hinrichtung in Pozzuoli im Jahre 304 hier seine erste Ruhestätte fand. Die in den Fels gehauenen Gräber sind reich mit Fresken und Mosaiken aus dem 5. bis 9. Jahrhundert dekoriert. Weiters gibt es die Catacombe di San Gaudioso im Stadtviertel Sanità. Der monumentale Bau Real Albergo dei Poveri wurde von 1750 bis 1766 von dem Architekten Ferdinando Fuga im Auftrag von Karl dem III. erbaut. Er war dazu gedacht, die Armen des Reiches unterzubringen. Man findet in Neapel außer dem Haupthafen auch einige kleinere Häfen. Einige von ihnen, etwa der bekannte Porto di Santa Lucia, werden heute als Häfen für Luxusyachten benutzt, andere dienen immer noch der Fischerei. Der riesige Hauptfriedhof Neapels Cimitero di Poggioreale liegt im Stadtteil Poggioreale. Sehenswert ist der historische Friedhof Fontanelle. Er befindet sich seit 1656 in einer riesigen Höhle im Stadtteil Sanità. Weiters gibt es den kleinen Friedhof der (nicht-katholischen) Engländer, den Cimitero degli Inglesi. Der maggio dei monument (Mai der Monumente) entstand auf Initiative eines Ehepaars. Mittlerweile öffnen im Mai jeden Jahres über 200 Museen, historische und kulturelle Stätten mit lokalgeschichtlicher Bedeutung für die Stadtbevölkerung und Touristen kostenlos ihre Pforten.

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