Naturraum des Gardasees

Der Gardasee ist spektakulär in eine Südalpenlandschaft eingebettet, die vor Jahrmillionen entstanden ist. Die Menschen am Ufer des Lago haben jahrhundertelang vom Fischfang gelebt, heute ist es der Tourismus, der Geld in die Kassen spült. In den umliegenden Bergregionen geht es stiller zu, in einem fast verlassenen Dorf leben heute gerade einmal noch fünf Menschen.


 

Entstehung des Gardasees:

Die alpine Region entstand aufgrund starker Verwerfung. Als sich vor rund 60 Millionen Jahren die afrikanische Kontinentalplatte gegen die eurasische Kontinentalplatte zu schieben begann, kam es in dem dazwischenliegenden Ozean im Paläozän vor etwa 35 Millionen Jahren zum Auftauchen erster Landmassen aus dem Meer, dessen Ablagerungen getauscht und gehoben wurden. Eine Verwerfung an der Ostküste des Gadasees hat die Gesteinspakete Tausende von Metern vertikal gegeneinander verschoben, was man vom 2087 m hohen Monte Altissimo in der Nähe von Malcesine erkennen kann. Erosionskräfte veränderten die Landschaft weiter. Gesteinsbrocken, Geröll und Sand wurden von mächtigen Flüssen ins Mer getragen. Diese Ablagerung wurden wiederum gehoben und bilden heute die sogenannten Flyschgesteine in der Alpenfaltung. Geologische Störungszonen durchziehen bis heute die gesamte Südalpen und verursachen ab und zu leichte Erdbeben, deren Zentrum häufig um Salò liegt.

Eiszeit:

Bedeutend für das heutige Landschaftsbild des Gardasees waren jedoch die Esizeiten in den letzten ein bis zwei Millionen Jahren, als das von den Störungen zerrüttete Gestein von gewaltigen Gletschern ausgeschürft wurde. Die Eiszunge des Gardaseegletschers erreichte am Alpenrand eine Höhe von 400 m, und Moränenreste an den Hängen lassen vermuten, dass er sogar bis zu 680 m hoch war. Markante Spuren der Gletschertätigkeit findet man bei Nago mit den Marmitte dei Giganti genannten Gletschermühlen, die durch die Vorwärtsbewebung des Gletschers entstanden ist. Als das Eis in die Haupt- und Nebentäler Richtung Po-Ebene abfloss, staute sich an der Alpensüdseite Gesteinsschutt, der als Moränengürtel zwischen Brescia und Verona liegen blieb und heute das voralpine Hügelland bildet. In den tiefen Gletscherzungenbecken sammekten sich das Wasser zu Seen, die sich heute vom westlichen Piemont über die Lombardei bis an die Grenze Ventiens verteilen. Die fjordartige Längsstreckung der Voralpenseen und ihre Tiefe von bis zu 400 m verweisen immer noch darauf, dass sie im Grunde eigentlich gefüllte Flusstäler sind. Die Seen wirken als Schotterfang für die sie durchfließenden Flüsse, was den landwirtschaftlichen Flächen der Po-Ebene zugute kommt.


Fossilien und Marmor:

Ost- und Nordufer:

Die verschiedenen Gesteinsformationen des Gardaseesgebiet sind im Jura und in der Kreidezeit entstanden. Bei Sirmione im Süden des Gardasees tritt stellenweise der weiße, kalkige Dolomit ans Tageslicht. Gräulicher Kalkfels dagegen herrscht an der Ostküste am Monte Baldo in einer Dicke von 450 m vor, während oberhalb von San Vigilio ein gelblicher Kalkstein zu finden ist, der als Calcare Oolitico di San Vigilio bezeichnet wird. Diese zur Karstbildung neigende Gesteinsformation ist mit zahlreichen Grotten und Dolinen, trichterförmigen Vertiefungen durchsetzt. In der Nähe kommt auch Muschelkalk vor mit zahlreichen Einschlüssen von Ammoniten und weiteren Fossilien. Die intensiv rötliche oder auch rosa Färbung des feinkörnigen Steins, der in einer Schichtdecke von lediglich etwa 25 m vorhanden ist, hat seit der Antike zum Abbau des Rosso Veronese, kostbarem Marmor-Baumaterial, geführt. Der Rosso Ammonitico Veronese geht über in den weißlichen-lehmigen Biancone der Kreidezeit und bildet bei einer Schichtstärke zwischen 30 und 140 m sanfte Hänge und Hügel, aus die als Weideland am Monte Baldo nutzbar sind. Überlagert wird diese Formation von einem Scagli Rossa Veronese genannten Kalkstein, der von Konglomeraten heller Kieselsteinchen durchzogen ist und dessen Schicht zwischen 30 und 50 m dick ist.

Westufer:

Die Gesteinsformationen am Westufer des Gardasees haben sich in Perm, Kreide und Tertiär herausgebildet. Dort liegen über dem Dolomit eine kompakte, weißliche, rund 200 m dicke Kalksteinschicht, die bei Campione 350 m Dicke erreicht und Konglomerateinschlüsse zeigt in teils wagrechter, teils senkrechter brauner bis grauer Streifung. Drauf baut eine rote eisenhaltige Schicht auf, die in eine kalkhaltiges Gestein mit zahlreichen Fossilienschlüssen übergeht. Zuoberst liegen kompakte Kalkschichten von rötlicher bis grünlich-weißer Färbung.

Größere Brocken des Rosso Ammonitico Veronese und das Calcare Oolitico di San Vigilio, wie sie am Ostufer vorkommen, findet man oberhalb von Gargnano. Dort trifft man auch die mergeligen und teerigen Maiolica-Blöcke und eisenhaltige Kieselschichten an, die das westlich angrenzende lombardische Gebiet kennzeichnen.


Naturräume:

Der lang gestreckte Gardasee mit seinen steilen Bergmassiven und sanften Hügellandschaften ist im Nordteil schmal und im Südteil bauchig.

Nordufer:

Im Nordern, wo der Sarca in den See mündet, liegen das reizvolle Städtchen Riva und das Surferparadies Torbole, voneinander getrennt durch den 367 m hohen Mone Brione.

Ostufer:

Das Ostufer wird vom bis zu 2218 m hohen Monte-Baldo-Massiv beherrscht, einem Naturparadies und Wandergebiet, an das sich die Riviera degli Olivi bei Malcesine anschmiegt. Zwischen Torri und Garda ragt die Halbinsel San Vigilio in den See. Noch wieter südlich auf der Höhe von Bardolino prägen Weinreben die Landschaft.

Südufer:

Den Süden des Gardasees mit der Halbinsel Sirmione umgeben frutchtbare Moränenhügel mit kleinen Dörfern sowie die Parklandschaft des Flusses Mincio, der bei Peschiera del Garda aus dem See austritt.

Westufer:

Im Südwesten liegen die gartenähnlichen Halbinsel von Manerba del Garda und San Felice del Benaco, die vom sanft gewellten Hügelland des Valtenesi umrahmt sind. Das lombardische Westufer prägen die bis zu 2000 m aufragenden und steil abfallenden Berge der Brescianer Voralpen. Von Salò bis Gargnamo erstreckt sich die Brescianer Riviera mit einer üppigen subtropischen Pflanzenwelt, die sich in dem milden Klima entfalten konnte. Die reizvollen Hochebenen von Tignale und Tremosine bieten inmitten der Bergwelt Platz für zahlreiche kleine Dörfer. Die Flüsse Campione und Ponale sind weitere Zuflüsse des Sees.

Wasserfälle:

Bei Varone gibt es in einer engen Klamm ein Naturschauspiel zu beobachten: Die Cascate di Varone, ein rauschender Wasserfall, stürzt hier 100 m in die Tiefe. Er wird vom rund 8 km entfernten Lago di Tenno gespeist, der Fluss Magnone führt ihm das Wasser zu.

Auch auf der Ostseite des Etschtales liegt ein Naturpark mit Wasserfällen, der Parco del Cascate Molina.

Inseln:

Die fünf Inseln im Gardasee befinden sich in Privatbesitz, die Isola del Garda (0,9 km²) vor San Felice del Benaco als größte, die Isola San Biagio im Südwesten, Trimelone gegenüber dem Campingplatz von Sommavilla sowie die Isola dell’Olivio und die Isola di Sogno vor der Halbinsel Val di Sogno südlich von Malcesine.

Etschtal:

Parallel zum Ostufer verläuft ein Abschnitt des Etschtals, das von jeher als einer der bedeutendsten Verkehrswege durch die Alpen mit den Städten Bozen, Trient , Rovereto und Verona eine wichtige wirtschaftliche Rolle spielte. Die Etsch mit 410 km Länge ist der zweitwichtigste Fluss Italiens, hat aber für die Schifffahrt keine Bedeutung.

Geothermalgebiete:

Der See wird auch von einer Anzahl von Wildbächen und von unterirdischen Quellen gespeist. Nach den neuesten Messungen ist der Gardasee der sauberste Bergsee in den Alpen. Unter diesen muss die Bojola-Quelle erwähnt werden, die in der Nähe von Sirmione hervorspringt. Wie schon berichtet, handelt ers sich um Mineralwasser vulkanischer Herkunft das aus dem Felsen in 19 m Tiefe mit einer Temperatur von 69,9 °C hervorspringt. Die heilenden Eigenschaften dieses Wassers sind schon seit dem 16. Jahrhundert bekannt.


Flora:

Im milden Klima des Gardaseeraumes gibt es eine große Artenvielfalt an mediterran-subtropischen Pflanzen, die in ihrer natürlichen Ausbreitung durch die Eingriffe des Menschen allerdings stark eingechränkt sind. Die so oft gespriesene Garten- und Parklandschaft des Gardasees ist weniger eine Natur- als eine Kulturlandschaft mit Obst- und Weinanbau, Feigen, Zitrusfrüchten und Ölbäumen. Einst gab es ausgedehnte Wälder von immergrünen Steineichen, die heute stark dezimiert sind. Alte Buchenwälder haben sich noch bei Prada am Monte Baldo erhalten können. Der immergrüne Lorbeer ist häufiger anzutreffen, seltener dagegen Judasbäume. Esskastanien reifen in höheren Lagen. Maulbeerbäume wurden ursprünglich für die Seidenraupenzucht gepflanzt. Zypressen und Libanonzedern bilden neben Palmen und Agaven malerische Akzente in den Parks der Villen. Linden und Ahron wurden meist in Aleen gesetzt. Azaleen, Oleanderbüsche, Magnolien und Akazien verströmen ihren Duft im Frühjahr und sommer. In den seltenen flachen und sumpfigen Ufergebieten findet man Röhricht und Binsen, Sumpfdotterblumen, Seerosen und Wasserklee.

Monte-Baldo Flora:

Im 1972 eröffneten Naturpark Corna Piana di Brentonico am Monte Baldo, der zwischen 1276 m und 1735 m hoch liegt, ist eine voreiszeitliche Pflanzenwelt erhalten, zu der beispielsweise der Spinnweb-Steinbrech, die Klebrige Akelei und die Dolomiten-Teufelskralle gehören. Endemische Pflanzen, die also nur hier vorkommen, sind das langstielige Monte-Baldo-Windröschen, das Südtiroler Labkraut, die weißährige Monte-Baldo-Segge und die Witwenblume. Hinzu kommen mehrere Arten von Knabenkraut, Ragwurz, Primel, Enzian, Lilien und Erdorchideen, die von Ende März bis Mai am Monte Baldo blühen. Bei Feinschmeckern beliebt ist der Monte-Baldo-Trüffel.


 

Fauna:

Alpine-Zonen:

Im Parco Alto Garda Bresciano fühlen sich inzwischen Hirsche, Rehe und Gämsen wieder wohl. Im Naturschutzgebiet des Monte Baldo leben Auerhähne, Steinhühner, Füchse und Marder. In den Naturparks an den Flüssen Oglio und Mincio haben sich zahlreiche Entenarten, Blässhühner und Reiher niedergelassen.

Sumpfgebiete und Ebene:

Für Teichrohrsänger, Zwergdommeln und Flussnachtigallen werden die Sumpfgebiete als Lebensräume immer knapper. Möwen dagegen haben sich den veränderten Lebensbedingungen am Gardasee gut angepasst. An den Felswänden leben Gartenrotschwanz, Gabelweihe und Kolkrabe. Würger, Lerchen und Ammern bevorzugen die Ebenen als Lebensraum.

Wasser:

Der einstige Fischreichtum der Alpenrandseen ist durch Wasserverschmutzung zurückgegangen. Gardaseeforellen und Gardaseekarpfen ereichen zwar noch beträchtliche Größen und auc hdie ausgesetzten Maränen, die  zur Familie der Lachse gehören, haben sich gut akklimatisiert, Saibling, Aal, Schleie, Barsch, Hecht und Barbe sind aber seltener geworden.

Am Wasserleben vereinzelt ungefährliche Nattern, besonders im August sieht man sie in Strandnähe aus dem Wasser lugen oder sich unter den Steinen verstecken. Am Monte Baldo gibt es giftige Vipern, die aber sehr selten sind, und Skorpione, die sich besonders im Mai und September häufig zeigen. Ansonsten tummeln sich auf den warmen Gebäudemauern Eidechsen aller Art und man sieht ab und zu eine Blindschleiche. Eindrucksvoll ist der Artenreichtum der Schmetterlinge, die vor allem im Blumenparadies des Monte Baldo ausreichend Nahrung finden.