Mantua (Mantova)

Mantua, italienisch Mantova, ist eineStadt mit 47.223 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012) in der Lombardei inItalien.vMantua ist Hauptstadt der Provinz Mantua. Besonderheiten der Stadt sind der romanische Dom, die Renaissancekirche S. Andrea und derPalazzo Ducale. Mantua ist einer der größten Umschlagsplätze für Agrarprodukte in der Poebene. Die Stadt, genauer das in ihrer Nähe gelegene antike Dorf Andes, gilt als GeburtsortVergils. Mantua ist der Ort von Romeos Verbannung in William ShakespearesRomeo und Julia.

Piazza Sordello mit dem Palazzo Bonacolsi, der Kuppel der Basilica Sant’Andrea und dem Torre dei Gambulini (© Pixbay-License / alex1965)


Geographie:

Klima der Stadt Mantua / Klima der Provinz Mantua / Klimastationen der Provinz Mantua / Klima der Lombardei

Mantua liegt in der südöstlichen Lombardei, nicht weit entfernt vom Gardasee und der Grenze zu den beiden italienischen Regionen Veneto (Venetien) und Emilia-Romagna. Verona liegt 40 km nordöstlich, Brescia 70 km nordwestlich und Modena 70 km südlich der Stadt.

Gewässer:

Im 12. Jahrhundert organisierte der Architekt und Wasserbauingenieur Alberto Pitentino im Auftrag der Stadtverwaltung ein Verteidigungssystem der Stadt anzulegen. Er funktionierte den Mincio so um, dass vier Wasserbecken die Stadt umgeben. Diese vier Wasserbecken stellen heute die vier Seen dar: Superiore, di Mezzo, Inferiore und Paiolo. Einst war Mantua von weiten Sümpfen umgeben. Die Stadt wurde über zwei Brücken mit dem restlichen Land verbunden, zu einem die Ponte dei Mulini und die Ponte di San Giorgio.

Mantua bei Abenddämmerung (© Pixbay-License / Rosy Torelli)


Klima:

Mantua weist ein subtropisches Klima mit deutlichen kontinentalen Charakter auf. Die Winter weisen keinen Schneefall auf und die Seen verursachen eine ganzjährig hohe Luftfeuchte. Im Winter kommt es häufig zu Nebel. Die Sommer sind feucht und schwül mit wenig Luftaustausch. Das historische Minimum liegt bei -19°C (16.02.1929). Am 07.07.1957 wurde eine absoluter Maximalwert von +38,2°C erreicht. In den Winter zwischen 1930 und 1955 war es üblich, dass die Seen zumindest teilweise zufroren. Nach einem außergewöhnlich kalten und eisigen Wintern waren die Seen für zwei Wochen dauerhaft zugefroren.

1961-1990:


Geschichte:

Mantua wurde von den Etruskerngegründet. Für ihre mythische Gründungsgeschichte wird die griechische Seherin Manto benannt; denkbar wäre auch ein Zusammenhang mit Mantus, der etruskischen Gottheit der Unterwelt. Im Vorfeld des Investiturstreits zu Pfingsten 1064 fand an diesem Ort eine Synode statt, die das damalige Papstschisma, welches die Entzweiung von deutschem Hof und dem römischen Reformpapstum begründete, löste und Papst Alexander II. gegen den Gegenpapst Honorius II. als rechtmäßigen Pontifex bestätigte.

Gonzaga-Herrschaft:

Seit 1328 regierte dort die Adelsfamilie der Gonzaga, die von den römisch-deutschen Kaisern 1362 zu Grafen, 1433 zu Markgrafen (Marchesi) und 1530 zu Herzögen von Mantuaerhoben wurden. Kaiser Karl V. sicherte den Gonzaga als treuen Verbündeten 1536 auch die Herrschaft über die wichtige Markgrafschaft Monferrato an der oft umkämpften französisch-italienischen Grenze. Zeitweilig stiegen die Gonzaga dadurch zu einer der bedeutendsten Fürstendynastien Italiens auf, einen Höhepunkt der Kunstförderung erreichten sie unter Markgraf Franz II. (Francesco II.) († 1519). Eine Nebenlinie der mantuanischen Gonzaga etablierte sich in der Grafschaft Guastalla, deren Herrscher Ferdinand (Ferrante, † 1557) in kaiserlich-spanischen Diensten zum Vizekönig von Sizilienund Statthalter des Herzogtums Mailand aufstieg.

Mantuanischen Erbfolgekrieg:

Das Aussterben der mantuanischen Hauptlinie der Gonzaga 1627 löste den zwischen Frankreich und den Habsburgern geführten Mantuanischen Erbfolgekrieg um das strategisch wichtige Herzogtum aus, der die ökonomische und kulturelle Blütezeit des Landes schlagartig beendete. 1631 musste der habsburgische Kaiser die französischen Erbfolgekandidaten, die Herzöge von Gonzaga-Nevers, als Herzöge von Mantua anerkennen. Im Spanischen Erbfolgekrieg ab 1701 wiederum auf französischer Seite gegen Österreich stehend verlor der letzte Herzog von Gonzaga-Nevers 1708 sein Land Mantua, da ihn der Kaiser absetzte und Mantua seither direkter Teil des Habsburgerreiches wurde.

Habsburger und Franzosen:

Seit 1745 Teil des habsburgischen Herzogtums Mailand, war die Stadt während der Koalitionskriege umkämpft. Napoleon konnte die Stadt nach einer langen Belagerung 1796/97 einnehmen. Zwischen 1805 und 1814 stand Mantua unter französischer Herrschaft; Napoléon Bonaparte ließ in der Zitadelle am anderen Ufer des Mincio 1810 den gefangenen Führer des Tiroler Aufstandes, Andreas Hofer, hinrichten. Hiervon handelt das Lied „Zu Mantua in Banden“ von Julius Mosen, es ist die Landeshymne des österreichischen Bundeslandes Tirol.

Deutscher Krieg:

1814 wurde Mantua erneut österreichisch und kam erst 1866 als Folge des Deutschen Kriegs zu Italien. Unter österreichischer Herrschaft war der Ort Teil des oberitalienischen Festungsvierecks (it.: Quadrilatero), das 1815 zur Verteidigung der österreichischen Besitzungen in Italien in den Orten Peschiera, Mantua, Legnago und Verona errichtet wurde.

Guastalla:

Nebenlinien des Hauses Gonzaga regierten länger als in Mantua noch in Guastalla, das 1621 zum Herzogtum erhoben worden war, und in der Grafschaft Novellara. Diese wurde 1737 von Modena annektiert, Guastalla fiel nach dem Aussterben der dortigen Gonzaga-Linie 1746 an Österreich, dann an Parma. Riccarda Gonzaga, die gestürzte Gräfin von Novellara und zeitweilige Regentin von Massa undCarrara (1731−1741), starb 1768.


Sehenswürdigkeiten:

Kuppel der Basilica Sant’Andrea (© Pixbay-License / Riccardo Braccaioli)

2008 wurden die Altstädte von Mantua und Sabbioneta gemeinsam in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

  • Palazzo Ducale: mächtiger Ziegelbau, der vierhundertfünfzig Wohnräume enthält. Das bedeutendste Kunstwerk in dem Palast sindMantegnas Fresken in der Camera degli Sposi (1474 vollendet).
  • Dom: Fünfschiffige Basilika aus dem 9. Jahrhundert, im Inneren nach 1540 von Giulio Romano nach frühchristlichen Vorbildern, vor allem wohl Alt St. Peter in Rom umgebaut. Die Fassade stammt aus dem Jahr 1756. Daneben ein romanischer Glockenturm.
  • Palazzo Ragione: mit dem Torre dell’orologio(Uhrturm)
  • Basilika Sant’Andrea: Der Entwurf ist das letzte Werk des Leon Battista Alberti (1470). Die Kirche gilt als eines der herausragenden Werke der italienischen Renaissance.
  • San Sebastiano: Renaissancekirche von Alberti
  • San Lorenzo: Romanische Rundkirche, die auf einem antiken Rundbau steht. Wahrscheinlich eine Gründung der MarkgräfinMathilde von Tuszien.
  • Palazzo del Te: 1525 bis 1535 von Giulio Romano erbaut.

Mantua bei Nacht (© Pixbay-License / Francesco Toscani)