Florenz

Wie keine andere Stadt prägte Florenz, das als „Florentina“ oder „Firenze“ genannt wird. Von den Römer hieß Florenz „Florentina“, die Geschichte des Abendlands: Hier war die Geburtsstunde der Renaissance und entsprechend reich ist das kulturelle Angebot. Wer die Stadt erst einmal von oben betrachten möchte, der geht zur 104 m über der Altstadt liegenden Piazzale Michelangelo; von hier genießt man einen unvergleichlichen Blick über Florenz, das sich malerisch zu beiden Seiten des Arno erstreckt.

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Geographie:

Florenz liegt am Fluss Arno, der durch die Altstadt fließt, und am Mugnone, der von Norden kommend westlich der Altstadt in den Arno mündet. Von Süden kommend tritt der Greve im Stadtgebiet dem Arno zu. Der Arno war ebenso wichtig für die Versorgung der Menschen durch den Handel, sorgte allerdings durch Überflutungen auch für Zerstörung und Leid. Nördlich von Florenz erstreckt sich der Höhenzug des toskanisch-emilianischen Apennins, im Süden grenzen die sanften Hügel des Chianti an die Stadt.

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Der Fluss Arno und die Kuppel des Doms

Chianti:

Südlich von Florenz erstrecken sich die Hügel der Weinregion Chianti. Die nördliche Weinregion gehört zur Provinz Florenz.

Klima:

Florenz befindet sich noch in der gemäßigten Klimazone mit sehr warmen Sommern und kalten und feuchten Wintern. Aufgrund seiner Lage und des damit verbundenen Mangels an Ventilation ist es in Florenz im Sommer spürbar wärmer als an der Küste. Die höchste gemessene Temperatur lag bei 44 °C im Juli 1983. Die tiefste festgestellte Temperatur war -23 °C im Januar 1985. Im Jahr 2003 hat es Florenz schlimm erwischt, denn in diesem Jahr herrschte in Europa eine gigantische Hitzewelle. Der Tageshöchstwertdurchschnitt betrug 22°C und der Tiefstwert 11°C. In den Monat Mai hatte der Durchschnitt 28°C, Juni 35°C, Juli 35°C und August 36°C. (Quelle: www.wetteronline.de), selbst der September noch mit 27°C.

Klimatabellen:

Jan.
Feb.
Mär.
Apr.
Mai.
Jun.
Jul.
Aug.
Sep.
Okt.
Nov.
Dez.
11°C13°C16°C20°C25°C29°C33°C33°C28°C22°C16°C11°C
3°C4°C6°C9°C13°C17°C19°C19°C16°C12°C8°C4°C
Sonnenstunden:
Jan.
Feb.
Mär.
Apr.
Mai
Jun.
Jul.
Aug.
Sep.
Okt.
Nov.
Dez.
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Regentage:
Jan.
Feb.
Mär.
Apr.
Mai
Jun.
Jul.
Aug.
Sep.
Okt.
Nov.
Dez.
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Geschichte: 
Die Geschichte von Florenz ist heute deshalb so bekannt, weil sie um das Jahr 1520 von Niccolò Machiavelli (1469-1527) erstmals aufgeschrieben wurde. Er schrieb seine Istorie fiorentine im Auftrag der Medici und überreichte das umfangreiche Werk im Jahre 1525 dem Papst Giulio de‘ Medici, der sich Clemens VII. nannte. Machiavelli begann schon in seiner Jugendzeit, die Geschichte seiner Heimatstadt aufzuschreiben und nannte sein erstes Buch Decannale. Später knüpfte er daran an und wurde einer der ersten Historiker.
Florenz wurde nach 59 v. Chr. von Julius Cäsar als Colonia mit dem Namen Florentia (nach der römischen Göttin der Blumen und des Pflanzenwachstums) im fruchtbaren, aber noch teilweise sumpfigen Arnotal errichtet. Die Colonia bestand erstens aus einem Militärlager, dem Castrum, dessen quadratische Anlage sich auch heute noch im Straßenverlauf widerspiegelt (Via Tornabuoni, Via Cerretani, Via del Proconsolo und Piazza della Signoria). Das Forum befand sich am heutigen Platz der Republik. Florentia verfügte auch über Thermalbäder und ein Amphitheater. Zur Colonia gehörten auch die Ansiedlungen der Veteranen der Garnison außerhalb des Castrum, die gemäß der Lex Julia nach der Entlassung aus dem Militärdienst eine Landparzelle zur Bebauung zugewiesen erhielten, die aufgrund der Vergabepraxis in Form einer Verlosung partes genannt wurde. Die verkehrstechnisch günstige Lage am Kreuzungspunkt der nach Rom führenden Via Cassia, der von Volterra kommenden Etruskerstraße (Volterana) und der ebenfalls etruskischen Pisana, die über Pisa ans Meer führte, begünstigte das rasche Aufblühen der Stadt auf Basis von Handel und Handwerksbetrieben. Die älteren etruskischen Ansiedlungen, vor allem das auf einem Hügel nördlich der neuen Stadt gelegene bedeutende Fiesole (Gründung 7. Jahrhundert vor Christus) gerieten dadurch rasch ins Hintertreffen. Nachdem man neben Fiesole auch den Etruskerstädten Volterra und Chiusi sowie den römischen Coloniae Pistoia und Lucca den Rang abgelaufen hatte, ernannte Kaiser Diokletian Florenz zur Hauptstadt der Siebenten Region (Toskana und Umbrien).

Im Zuge der byzantinischen Rückeroberungskriege wurde die Stadt fast vollständig zerstört und nahm erst wieder unter den Langobarden einen Aufschwung. Da die Langobardenherzöge jedoch in Lucca bzw. Pisa residierten, konnte Florenz bis ins 12. Jahrhundert nicht an die Bedeutung vor der Völkerwanderungszeit anschließen. Entscheidend für den Wiederaufstieg wurde die um 1000 erfolgte Verlegung des Amtssitzes des von den Karolingern eingesetzten Markgrafen Hugo nach Florenz. Mit dem Aufkommen des Feudalismus expandierte die Stadt im 12. Jahrhundert und wurde autonom. Die Bürgerschaft gewann an Macht und es kam zu erbitterten Streitereien zwischen den kaisertreuen Ghibellinen und den später siegreichen Anhängern des Papstes, den Guelfen. Im 14. und 15. Jahrhundert blühte die Stadt auf und setzte die Maßstäbe in der europäischen Kunst und Kultur. Viele Künstler und Gelehrte siedelten sich an (z. B.Donatello, Botticelli; später Michelangelo, Machiavelli, Leonardo da Vinci und Galileo Galilei). Es entwickelte sich die kulturgeschichtliche Epoche der Renaissance(italienisch Rinascimento). Florenz wurde gleichzeitig Handels- und Finanzzentrum. Die reiche Familie der Medici stieg im 15./16. Jahrhundert zu einer Großmacht auf und prägte die Stadt wie keine andere Familie. Cosimo I. de’ Mediciwar der erste bedeutende Medici, der die Stadt nach und nach eroberte. Cosimo lebte kurze Zeit im Exil, als die Medici durch gegnerische Familien gestürzt worden waren. Nachdem jedoch die Wirtschaft aufgrund der Abwesenheit der Medici zum Erliegen kam, kehrte Cosimo aus seinem Exil zurück. Durch ein geschicktes Spiel und präzise ausgewählte Kundschaft schuf sich Cosimo ein Netzwerk aus bedeutenden Politikern, Handelsleuten und bis in die höchsten Ränge der katholischen Kirche. Die Tatsache, dass die Medici als die privaten Banker des Papstes fungierten, machten sie schnell zu einer angesehen Bankenfamilie. Doch hinter den Kulissen war die Politik jener Zeit von Intrigen und Skandalen erschüttert. Der Einfluss der Medici und der geschickte Geschäftssinn ließen Florenz prosperieren und zur Kulturhochburg zweier Jahrhunderte in Europa aufsteigen. Stellvertretend steht hierfür unter anderem die Fertigstellung der Kuppel der Santa Maria del Fiore, die als technische Meisterleistung gilt. Doch die kulturelle Bedeutung von Florenz schwand im 17. Jahrhundert. Die Medici, die lange die Stadt geprägt hatten, starben aus, und als Franz I. Stephan, der Ehemann von Maria Theresia, deren Nachfolger wurde, wurde Florenz Besitz der Habsburger.

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Erst im 19. Jahrhundert begann ein neuer wirtschaftlicher Aufschwung. Florenz wurde das Ziel von Bildungsreisen, den Grands Tours, und ein Teil Österreichs. 1859 verloren die Österreicher aber gegen Frankreich und das Königreich von Sardinien-Piemont, Florenz wurde 1861 Teil des Vereinigten Italiens. Die Stadt folgte Turin 1865 als italienische Hauptstadt nach und beherbergte so das erste Parlament des neuen Staates, verlor die Würde aber bereits 1871 an Rom. Nachdem die Stadtbevölkerung sich im 19. Jahrhundert verdoppelt hatte, verdreifachte sie sich im 20. Jahrhundert und profitierte stark von den neuen Wirtschaftszweigen des Tourismus und der Industrie, während Fernhandel und Finanzwirtschaft wieder aufblühten. Im Zweiten Weltkrieg war die Stadt von 1943 bis 1944 von deutschen Truppen besetzt. Bei einer Volksabstimmung von 1946 stimmten die Florentiner gegen den Erhalt des Königreichs und für die Republik Italien. Von 1946 bis 1950 regierte eine Koalition aus Sozialisten und Kommunisten die Stadt. Es vollzog sich ein rascher wirtschaftlicher und sozialer Wandel und Aufschwung. Die Jahre bis 1964 waren durch den christlich-sozialen Bürgermeister Giorgio La Pira, sindaco von 1950 bis 1956 und 1960–1964, geprägt. Die Überschwemmung in Florenz 1966 beschädigte viele Kunstschätze und forderte 34 Menschenleben, wobei die genauen Angaben von den Behörden jahrzehntelang unter Verschluss gehalten wurden.


Sehenswürdigkeiten:

Beinahe alle Sehenswürdigkeiten der Altstadt sind zu Fuß erreichbar.

Duomo Santa Maria del Fiore:

Die Innenstadt wird vom Duomo Santa Maria del Fiere (1294 – 1436) mit der achteckigen Kuppel von Brunelleschi dominiert. Gegenüber befindet sich die Taufkirche San Giovanni (11. Jh. – 13. Jh.) mit den drei Bronzetürmen von Pisano und Ghiberti; vor allem die „Paradiestür“ ist von einzigartiger Lebendigkeit. Die Uffizien beherbergen eine der bedeutendsten Gemäldesammlungen der Welt mit Werken von Giotto, Botticelli und anderen Meistern des 13. Jh. bis 18. Jh.

Zentrum der Florentiner Kirchen ist die romanisch-gotische Kathedrale Santa Maria del Fiore mit ihrer eindrucksvollen Kuppel von Filippo Brunelleschi. Die vom 12. bis 14. Jahrhundert gebaute Kirche steht Touristen offen.

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Ponte Vecchio:

Ganz in der Nähe spannt sich der Ponte Vecchio über den Fluss. Auf der ältesten Brücke der Stadt konzentrieren sich seit dem 16 Jh. Läden mit Juwelieren und Goldschmieden. Z

Piazza sella Signoria:

urück auf dem Domplatz, empfiehlt sich ein Bummel entlang der Via Calzaiuoli zur Piazza della Signoria, dem schönsten Platz der Stadt. Ein Besuch des idyllischen Giardino di Boboli lässt den Stadtbummel geruhsam ausklingen. Zentrum der historischen Altstadt ist die Piazza della Signoria. Hier sandten die Florentiner Dante 1301 ins Exil, hier verbrannten sie 1497 auf Aufforderung des Girolamo Savonarola im „Fegefeuer der Eitelkeiten“ Schmuck, Kosmetika, Spiegel, Musikinstrumente und ähnliches und im darauffolgenden Jahr nach päpstlichem Urteil Savonarola selbst. Auf dem Platz befand sich ursprünglichMichelangelos Statue David an der Frontseite des Palazzo Vecchio. Er wurde jedoch mittlerweile durch eine Kopie ersetzt, das Original befindet sich in der Accademia delle Arti del Disegno. Auf dem Platz befindet sich zudem Bartolomeo Ammanatis marmorner Neptunbrunnen. Er bildet den Endpunkt eines noch funktionsfähigen Aquädukts aus der Antike. Außer dem Palazzo Vecchio liegt dieLoggia dei Lanzi an diesem wichtigsten Platz der Stadt. Die einzige Brücke, die den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstand, ist der Ponte Vecchio. Die das erste Mal von den Etruskern gebaute Brücke verbindet die Uffizien mit dem Palast der Medici. Sie zeichnet sich heute vor allem durch ihre beeindruckende Zahl an Schmuckläden aus, die ihre Ränder bevölkern.

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Statuen der Loggia dei Lanzi

Domkomplex: 

Zum Domkomplex gehören weiter der Campanile des Giotto südlich an der Kathedrale und das westlich vor der Kirche gelegene Baptisterium San Giovanni mit Paradiespforte. Wichtige Skulpturen aus der Kirche wie die Pietà Palestrina des Michelangelo sind im Dommuseum zu besichtigen. Die Basilica di San Lorenzo stammt in ihrer ersten Version von 390 (von Ambrosius geweiht) und wurde ab 1421 von Brunelleschi in den Formen der Frührenaissance umgebaut. Auf Grund zwischenzeitlichen Geldmangels ruhten die Bauarbeiten mehrfach. Die Ausführung der Pläne Brunelleschis konnte so erst nach seinem Tode vollendet werden, dennoch blieb die Fassade trotz eines spektakulären Entwurfs Michelangelos von 1518 bis heute unvollendet. An ihren Chor schließt sich zwischen den beiden Sakristeien des Brunelleschi und des Michelangelo die Medici-Kapelle an, die wie diese Grablegen der Familie Medici beherbergt. An einem Kreuzgang südlich der Kirche liegt die Biblioteca Medicea Laurenziana, gleichfalls nach Plänen des Michelangelo geschaffen.

  • Romanisch: Baptisterium San Giovanni (11./12. Jahrhundert), San Miniato al Monte (11. Jahrhundert), Santi Apostoli (11. Jahrhundert)
  • Romanisch-gotisch: Badia Fiorentina (13./14. Jahrhundert), Orsanmichele (1337)
  • Gotisch: Santa Trinita, Santa Maria Novella, San Salvatore al Monte, Santa Croce (mit Grabmälern von Michelangelo, Galileo Galilei, Machiavelli, Gioachino Rossini, Ugo Foscolo)
  • Renaissance: Santo Spirito
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Fassade des Doms von Florenz

Der Palazzo Pitti, gegenüber der Piazza della Signoria jenseits des Arno gelegen, beherbergt heute die ehemalige Privatsammlung der Medici. Angeschlossen an den Palast ist der Boboli-Garten mit eindrucksvoller Landschaftsgestaltung und vielen Skulpturen, dahinter der Belvedere, der einen Blick über die Stadt erlaubt. Unter den mittelalterlichen Palästen erwähnenswert sind ferner:

  • der Palazzo del Bargello (Palazzo del Podestà), heute ein Museum der Bildhauerkunst
  • der Palazzo Davanzati
  • der Palazzo Vecchio

Sehenswerte Renaissancepaläste sind:

  • der Palazzo Medici Riccardi
  • der Palazzo Rucellai
  • der Palazzo Strozzi
  • der Palazzo Pandolfini

Weiter Sehenswürdigkeiten:

  • Farmacia di Santa Maria Novella, die älteste Apotheke in Europa
  • Biblioteca Medicea Laurenziana nach Plänen von Michelangelo neben der Basilika San Lorenzo
  • Universität (1321)
  • Große Synagoge von Florenz
  • Santa Maria Maddalena dei Pazzi
  • San Marco
  • Villa Medici La Petraia
  • Villa La Pietra
  • Villa Gamberaia
  • Der Vasarikorridor verbindet den Palazzo Vecchio mit dem Palazzo Pitti
  • Steinernes Wappen auf der Piazza della Signoria

Museen: (Auswahl)

  • Uffizien

Die Uffizien neben der Piazza della Signoria, die unter der Herrschaft der Medici als Verwaltungsgebäude für das Großherzogtum Toscana entstanden, beherbergen eines der weltweit bedeutendsten Museen für klassische Kunst, insbesondere der italienischen Malerei.

  • Accademia

Der Accademia di Belle Arti unterstellt und im gleichen Häuserblock an der Piazza delle Belle Arti gelegen sind das Kunstmuseum Galleria dell’Accademia (Via Ricasoli 58/60) und das Museum der renommierten florentinischen Restaurierungswerkstätten Opificio delle Pietre Dure (Via degli Alfani 78).

  • Museo Nazionale del Bargello

Der Palazzo del Bargello (Palazzo del Podestà) beherbergt ein Museum mit Werken der Bildhauerkunst, darunter Arbeiten von Donatello, Giambologna und Michelangelo sowie z. B. auch Werke der Malerei wie die des namentlich nicht bekannten, nach seinem Werk im Museum benannten Meister des Bargello-Tondo.

  • Palazzo Pitti

Der Palazzo Pitti, jenseits des Arno gelegen, beherbergt die ehemalige Privatsammlung der Medici, mit einem umfassenden Fundus aus der Zeit der Renaissance, darunter unter anderem Gemälde von Raffael.

  • Andere Museen

Das Museo Archeologico Nazionale (Archäologisches Museum) und das Museo di Storia Naturale (Naturhistorisches Museum) sind Teil der Universität.   Gärten:

  • Boboli-Garten (Palazzo Pitti)
  • Giardino Bardini, unweit des Boboli-Gartens und des Forte Belvedere
  • Giardino delle Rose, unterhalb der Piazzale Michelangelo in westlicher Richtung in der Viale Giuseppe Poggi
  • Giardino dell’Iris, ebenfalls in der Nähe des Piazzale Michelangelo, jedoch nur im Mai öffentlich zugänglich.
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Palazzo Vecchio auf der Piazza della Signoria


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Palazzo Vecchio und Loggia dei Lanzi

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David-Statue vor dem Palazzo Vecchio

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Piazza della Signoria