Erdbeben in Mittelitalien 2016

Im August, September, Oktober und November suchten schwere Erdbeben Mittelitalien heim. Zentrum des Erdbebens waren die Regionen Umbrien, Latium und Marken. Schlimm traf es die Gemeinden Accumoli, Amatrice, Arquanta del Tronto und Norcia.

Das Beben war bis in die italienische Hauptstadt Rom und Florenz zu spüren.

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Der heilige Benedikt vor der eingestürzten Basilika San Benedetto in Norcia


 

Das Erdbeben von Accumoli:

Das Erdbeben von Accumoli in Italien war ein starkes Erdbeben am 24. August 2016 um 03:36:33 Uhr Ortszeit (01:36:33 UTC). Es erreichte eine Stärke zwischen 6,0 MW und 6,2 MW auf der Momenten-Magnituden-Skala. Ein zweiter Erdstoß der Stärke 5,3 MW ereignete sich um 04:33:29 Uhr. Bis zum Abend des 25. August wurden weitere 700 Nachbeben, die stärker als 2,0 MW waren, registriert. Die Nachbeben hielten auch im Oktober noch an. Schäden wurden in vielen Dörfern an der Regionalgrenze zwischenUmbrien, Marken und Latium gemeldet. Besonders stark betroffen sind die Gemeinden Accumoli, Amatrice und Arquata del Tronto. Der Erdstoß war in ganz Mittelitalien zu spüren. Bei dem Erdbeben kamen 297 Menschen ums Leben.

Lage des Erdbebenzentrums:

Das Erdbeben vom 24. August mit der Momenten-Magnitude 6,2 MW südöstlich von Norcia ereignete sich als Ergebnis einer flachen Überschiebung an einer von Nordwesten nach Südosten laufenden Verwerfung im zentralen Apennin. 

Tektonische Ursache:

Geologisch ist der Apennin weitgehend ein Gebirgszug, der sich infolge von Subduktion gebildet hat. Diese Region ist tektonisch und geologisch komplex und involviert sowohl die Subduktion der Adria-Mikroplatte unter den Apennin von Osten nach Westen im Rahmen der kontinentalen Kollision von Eurasischer Platte undAfrikanischer Platte, welche die Alpen weiter nördlich auffalten, als auch die Öffnung des Tyrrhenischen Beckensim Westen. Die Bildung dieses Systems hat dazu geführt, dass alle verschiedenen tektonischen Bewegungen in einer breiten Region um Italien und das zentrale Mittelmeer zur gleichen Zeit stattfinden.

Auslösung und tektonische Nachfolgen:

Das Überschiebungserdbeben vom 24. August 2016 ist der Ausdruck der Ost-West-Ausdehnungstektonik, die jetzt entlang des Apennin dominiert, hauptsächlich als Ergebnis der schnelleren Öffnung des Tyrrhenischen Beckens im Verhältnis zur Kompression zwischen Eurasischer und Afrikanischer Platte. An der Stelle des Erdbebens bewegt sich die Eurasische Platte im Verhältnis zur Afrikanischen Platte etwa 24 mm jährlich nach Nordosten.

Große Erdspannungen:

Die Region wurde ab dem 24. August von zahlreichen Beben erschüttert, die auch im Oktober noch anhielten.

Zeiträume der Erdstöße:

  • 24.08.2016; 10 Erdstöße
  • 25.08.2016; 2 Erdstöße
  • 26.08.2016; einErdstöße
  • 27.08.2016; ein Erdstoß
  • 03.09.2016; 2 Erdstöße
  • 20.09.2016; ein Erdstoß
  • 16.10.2016; ein Erdstoß
  • 30.10.2016; ein Erdstoß
  • 01.01.2016; ein Erdstoß

 

Opfer und Schäden:

Unmittelbar nach dem Beben setzte der Italienische Zivilschutz eine großräumige Rettungs- und Bergungsaktion mit über 4.300 Einsatzkräften in Gang. Die Rettungsmaßnahmen sind nach Einschätzungen des ARD-Korrespondenten Richard C. Schneider (BR) sehr gut angelaufen; der italienische Katastrophenschutz hat Erfahrungen mit Erdbeben und ist seit dem Erdbeben von 2009 auf große Schadenslagen eingestellt. Die Regierung rief am Tag nach dem Ereignis den Notstand für die Region aus.

Tote und Überlebende: 

Da unklar ist, wie viele Menschen sich in den betroffenen Gegenden aufhielten, und anhaltend Überlebende und Tote geborgen wurden, waren offizielle Stellen zunächst sehr zurückhaltend mit Angaben zu Toten und Vermissten. Zur Zeit des Erdbebens hielten sich in den betroffenen Gemeinden bis zu 40.000 Feriengäste auf, unter anderem um an dem landesweit bekannten Fest Sagra degli Spaghetti all’amatriciana am 27. August teilzunehmen. So kamen unter anderem 70 Personen ums Leben, die in der Gemeinde Rom gemeldet waren.

Todesopfer:

Insgesamt forderte das Erdbeben 297 Todesopfer.

Schäden an Gebäuden und in den Orten:

Von dem Erdbeben sind vor allem kleine Bergdörfer mit teilweise älteren Gebäuden betroffen. Es wurden Schäden aus über 70 Dörfern gemeldet. Besonders starke Zerstörungen gab es in den Gemeinden Amatrice, Accumoli, Arquata del Tronto und vor allem dessen Teilort Pescara del Tronto, der fast vollständig zerstört wurde. Die andauernden Nachbeben, darunter einige über Stärke 4,0 MW, verursachten weitere Schäden und erschwerten die Rettungsarbeiten. Die Nachbeben hielten auch Wochen nach den Hauptbeben (Stand 20. September 2016) unvermindert an.

In Norcia brach die Basilika des Heiligen Benedikts bis auf die Grundmauern zusammen, nur die Eingangsfassade steht und der Kirchturm. Auch andere Kirchen und Gebäude der umbrischen Bergstadt wurden schwer beschädigt.

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Folgen für die Region:

Italien:

Italien ist das am meisten von Erdbeben betroffene Land in Europa. Rund 70 Prozent aller Gebäude sind in einem nicht erdbebensicheren Zustand. Ein Grund ist die alte Bausubstanz vieler Häuser, wie in den teilweise 2016 betroffenen mittelalterlichen Dörfern Amatrice oder Accumoli. Maßnahmen des Italienischen Staates zu einer baulichen Vorsorge, wie die Steuerbegünstigungen für erdbebensichere Renovierungen privater Gebäude, wurden schlecht angenommen. Auch gegen eine Kategorisierung privater Gebäude wehren sich Italiens Immobilieneigentümer bisher erfolgreich. Sie befürchten durch eine Einstufung ihrer Gebäude als „unsicher“ die Entwertung ihrer Immobilien oder aufwendige Umbaumaßnahmen.

Soziale Einrichtungen:

Der Seismologe Massimo Cocco (Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia) forderte: „Die Regierung müsste wenigstens Krankenhäuser und Schulen sichern lassen.“ Bei dem Beben 2016 stürzte auch das Schulgebäude von Amatrice ein, in dem sich Kindergarten, Grund- und Mittelschule befanden. Es war 2012 angeblich erdbebensicher renoviert worden. Auch fielen sowohl das Rathaus wie das Krankenhaus von Amatrice in sich zusammen. Die Staatsanwaltschaft der Provinz Rieti leitete deshalb Ermittlungen ein.

Obdachlose und Unterbringung:

Nach dem Beben vom 30. Oktober wird von 25.000 Obdachlosen in der Region Marken und weitere in der Region Umbrien gesprochen. Die Gemeinde Ussita ist von 200 Menschen, den meisten ihrer Einwohner verlassen worden. Die Kleinstadt Leonessa wird evakuiert. Der 5.000-Einwohner-Stadt Norcia, dessen Stadtkern nach dem Beben vom 30. Oktober abgeriegelt wurde, droht der Exodus. Viele, die ihre Wohnung verloren haben, sind bei Verwandten anderswo untergekommen, manche wohnen in lokalen Notquartieren. Der Zivilschutz hat Hotels an der Adria-Küste zur Verfügung gestellt. Der Bürgermeister von Civitanova an der Adria erwartete eine „epochale Migration“.

Bahnverkehr:

In der Stadt Fabriano hat die Bahngesellschaft Trenitalia einen Zug als Notquartier zur Verfügung gestellt.


 

Bilder aus Norcia:

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Zerstörte Basilica San Benedetto di Norcia