Comacchio

Comacchio ist eine Stadt und Stadtgemeinde an der Adria in der Provinz Ferrara in der Region Emilia-Romagna in Oberitalienmit 22.428 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012). Sie ist die wichtigste Stadt des Po-Deltas. Die Stadtgemeinde (Comune di Comacchio) umfasst die Lidi di Comacchio und die Ortschaften San Giuseppe, Vaccolino und Volania.

Geographie: 

Comacchio liegt südlich des Po-Mündungsdeltas, etwa 30 km nördlich von Ravenna im Nordosten der Provinz Ferrara, die im Norden an die Region Veneto angrenzt. Zum Gemeindegebiet gehören der Hafen von Porto Garibaldi sowie mehrere Dörfer, Binnenseen und Adria-Badestrände zwischen Lido di Volano im Norden und Lido di Spina im Süden. Durch das Gemeindegebiet führt in einer Entfernung von ca. 4,5 km vom Stadtrand die verkehrsreiche Strada Romea (Strada Statale 309, S.S. 309 Romea), eine ehemalige Pilger-, Handels- und Heerstraße, die von Venedig im Norden in südlicher Richtung an der Hafenstadt Chioggia vorbei überPomposa nach Ravenna verläuft (und von dort aus weiter nach Rom). Mit seiner 52 km weiter westlich liegenden Provinzhauptstadt Ferrara ist Comacchio über die Autobahn Ferrara – Porto Garibaldi verbunden (Autostradale Ferrara – Porto Garibaldi, gebührenfrei). Die nächstgelegenen Bahnhöfe sind der Bahnhof von Ravenna und der 25 km entfernte Bahnhof von Codigoro, Endstation der Nebenstrecke Ferrara – Codigoro. Die nächstgelegenen Verkehrsflughäfen sind die Flughäfen von Venedig, Bologna und Rimini. Auf dem Wasserweg ist Comacchio über einen schiffbaren Kanal mit seinem Adria-Hafen Porto Garibaldi verbunden. Dieser Kanal ist für Schiffe bis zu einer Größe von 1.350 BRT befahrbar. Landeinwärts mündet dieser Kanal in den Po von Volano (Po di Volano), der an Ferrara vorbeifließt und zwischen den Orten Volano und Lido di Volano in die Adria mündet. Die nördliche Gemeindegrenze verläuft streckenweise durch die Flussmitte; der Ort Volano liegt bereits außerhalb des Gemeindegebiets.

Klima:

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7°C9°C14°C17°C23°C27°C30°C31°C25°C20°C12°C7°C
0°C2°C5°C8°C13°C17°C19°C19°C14°C10°C5°C1°C

Geschichte:

Nicht nur Ravenna, sondern auch mehrere andere Städte verloren durch die Abschnürung vom Meer ihre einstige Bedeutung. Die Überreste der etruskischen Hafenstadt Spina, die im 6 Jh. v. Chr. im Norden der Valli di Comacchio gegründet worden war, befinden sich heute zwölf Kilometer vom Meer entfernt. Unter meterdicken Schichten von Schlamm und Schlick begraben, wurde die Stadt erst 1953 mit Hilfe von Luftbildern entdeckt.

Sehenswürdigkeiten:

  • Kirchen
    • Kathedrale San Cassiano (Cattedrale di San Cassiano); eine Kirche im Zentrum Comacchios, deren Ursprünge auf das Jahr 708 zurückgehen und die zwischen 1694 und 1720 neu errichtet wurde. Die Kathedrale, die ursprünglich dreischiffig gewesen war, ist heute einschiffig, weist zwölf Seitenkapellen auf, hat ein Tonnengewölbe und einen 33 Meter hohen Turm und ist 62 Meter lang und 30 Meter breit. Der Kirchturm entstand 1754, stürzte ein, wurde 1766 neu errichtet, blieb jedoch unvollendet. Der Innenraum besteht aus einem einzigen Schiff, das zwölf Seitenkapellen aufweist, von denen die Capella del Sacro Cuorebesonders eindrucksvoll mit Fresken und Stuck verziert ist. Aus dem 18. Jahrhundert sind in der Apsis außerdem ein zweireihiges Chorgestühl aus Holz und die Statue des hl. Cassiano sehenswert.
    • Wallfahrtskirche Santa Maria in Aulia Regia und die Arkade derKapuziner, ein langer Bogengang, der aus 143 auf Marmorsäulen ruhenden Bögen besteht und der die Kirche mit der Stadt verbindet. Das heutige Gebäude entstand im Jahr 1665 und wurde auf dem Areal errichtet, auf dem sich einst das KlosterSanta Maria in Auregario befand, das urkundlich bereits im 10. Jh. erwähnt wurde. Von kunstgeschichtlichem Interesse ist das Altarbild auf dem Hauptaltar, das von der Marienstatue überragt wird, ein Werk ferrareser Malerei aus der Renaissance. Die Kapuziner-Arkade war 1647 auf Geheiß des Kardinals Stefano Donghi erbaut worden, wurde 1670 durch ein Erdbeben zerstört, 1676-1686 restauriert und teilweise wieder aufgebaut und 1818 erneut restauriert.
    • Chiesa del Carmine, eine einschiffige Kirche mit halbrunder Apsis, die Anfang des 17. Jh. erbaut wurde. Der Glockenturm wurde 1756 errichtet. In den 1970er Jahren wurde die Inneneinrichtung stark verändert. Von kunsthistorischer Relevanz ist das Hauptaltarbild aus Holz aus dem 17. Jh.
    • Chiesa del Caduti oder Chiesa del Suffraggio, diese Kirche der Gefallenen oder Fürbitterkirche beherbergt die sterblichen Überreste einiger Söhne Comacchios, die im Ersten und im Zweiten Weltkrieg gefallen sind. Von kunsthistorischer Bedeutung ist das von Antonio Rand (1577-1650) und einem unbekannten Künstler des 17. Jh. geschaffene Triptychon hinter dem Altar.
    • Chiesa del Rosario, eine einschiffige Kirche, die 1816 auf Wunsch der Bruderschaft des S. Rosario erbaut wurde. Von kunsthistorischer Bedeutung sind das von dem Venezianischen Holzschnitzer Filippo de Porris (1641) geschaffene Holzkruzifix, die mehrfarbige hölzerne Madonnenstatue (17. Jh.), die Gemälde (17. Jh.), die die Enthauptung Johannes des Täufers und Mariä Verkündigung zum Thema haben. Ebenfalls aus dem 17 Jh. ist das Gemälde, das die Madonna del Rosario zwischen dem Hl. Dominikus und der Hl. Katharina zeigt.
  • Fußgänger-Kanalbrücken im historischen Zentrum; diese kleinen Brücken, deren Treppen aus Ziegelstein gemauert sind, prägen das Bild des historischen Stadtkerns in ihrer Gesamtheit.Uhrenturm; der um 1330 errichtete, auf der Ostseite mit einer Uhr ausgerüstete Glockenturm stürzte am 22. März 1816 ein und wurde 1824 wieder aufgebaut. Er steht auf einem viereckigen Fundament aus istrianischemNaturstein, dem Baumaterial, aus dem auch das Dach des Mausoleums des Theoderich in Ravenna hergestellt ist. Eine Verlängerung des Naturstein-Fundaments besteht aus Backsteinen. Auf diesem zweiteiligen Sockel steht ein oktogonaler Backsteinturm, der vier breite und vier schmale Seiten aufweist. Auf halber Höhe befindet sich eine Nische mit einer Marienstatue aus Stein aus dem späten 17. Jh.
    • Petersbrücke (Ponte San Pietro, 18. Jh.), diese vollständig renovierte Brücke führt am südlichen Rand des historischen Stadtkerns in Höhe der Via dei Govi über den Canale Maggiore.
    • Sisti-Brücke (Ponte dei Sisti, 18 Jh.), verbindet Via Agatopisto und Via Buonafede
    • Häscherbrücke (Ponte degli Sbirri), diese 1631-1635 (wie auch die Trepponti-Brücke) auf Wunsch des Kardinals Pallotta erbaute und von dem Architekten Luce Danese entworfene Brücke, die fast vollständig aus Ziegelsteinen besteht und die ihren Namen Kerkern verdankt, die sich früher in der Nähe befunden hatten, führt in Höhe der Fischhalle (Pescheria) über den Canale Maggiore.
    • Trepponti-Brücke (Ponte Trepponti), die 1634 auf Geheiß des Kardinals Pallotta nach Entwürfen des ravennatischen Architekten Luce Danese gebaute Fußgängerbrücke ist die berühmteste Brücke Comacchios. Sie wird aus fünf Treppen – drei vorderen und zwei rückwärtigen – und fünf Rundbögen gebildet und wurde am Zusammenfluss dreier Kanäle errichtet.
    • Carmini-Brücke (Ponte del Carmini, 18. Jh.), führt in Höhe der Carmini-Kirche (Chiesa del Carmini) über einen Seitenkanal.
    • Theaterbrücke (18. Jh.), verbindet Via Cavour mit Via G. Carducci.
    • Pizzetti-Brücke (Ponte Pizzetti), die Anfang des 19. Jh. erbaute Brücke verbindet Via Carducci und Via Gramski.
  • Bischofspalast; das renovierungsbedürftige Bauwerk (2009) wurde mit großer Sicherheit gegen Ende des 16. bis Anfang des 17. Jh. errichtet und diente als Wohnsitz der Regierenden. Die Gemeinde Comacchio vermachte es 1745 Bischof Cristoforo Lugaresi, und zwar mit der Auflage, dort ein Priesterseminar sowie öffentliche Schulen einzurichten. Von 1748-1886 war es die Residenz der Bischöfe der Diözese von Comacchio. Es ist geplant, das Gebäude wieder instand zu setzen und in seinen Sälen ein kunsthistorisches Museum zu eröffnen, in dem nicht nur die wertvollen sakralen Kunstwerke der über tausend Jahre alten Diözese von Comacchio aufgenommen werden, sondern auch die Archivbestände der Kurie und der Pfarreisowie die Bibliotheken des Priesterseminars und des Domkapitels.
  • Ruine des Klosters Sant’Agostino
  • Palazzo Bellini, ein 1870 im Neurenaissancestil erbauter Adelspalast, der von der Gemeinde aufgekauft und von ihr vollständig restauriert wurde. Das Gebäude beherbergt heute die Stadtbibliothek (Biblioteca Lodovico Antonio Muratori) mit dem historischen Archiv, das Archäologische Museum, Abt. Römisches Schiff, einen Saal für Tagungen und andere Veranstaltungen und die Büroräume des Amts für kulturelle Einrichtungen, Tourismus und Schulwesen.
  • Palazzo Tura, ein 1715 von dem Mönch Zanoli auf nahezu quadratischer Grundfläche errichteter zweistöckiger Bau mit venezianischer Fassade und zentralem Türmchen, der kürzlich von seinem heutigen Besitzer restauriert wurde. Sehenswert ist die gegen Ende des 19. Jh. von dem Bologneser Architekten Collamarinigestaltete Treppe mit Balustrade aus mehrfarbigem Marmor, die als Ersatz für die zerstörte Treppe gebaut wurde.
  • Palazzo Patrignani
  • Getreideloggia (Loggia di Grano); das 1621 auf Geheiß des Kardinals Giaccomo Serra errichtete Gebäude diente ursprünglich als Getreide-Vorratsspeicher für die Armen Comacchios. Der Getreidespeicher befand sich im oberen Stockwerk des Gebäudes. Das untere Stockwerk beherbergt heute eine Cafeteria.
  • Ehemaliges Krankenhaus San Camillo; auf Wunsch des Legatenkardinals Francesco Carafa von den Architekten Antonio Foschini und Gaetano Gento im Renaissancestil entworfenes und zwischen 1778 und 1784 erbautes Krankenhaus, das bis 1970 in Betrieb war und das in Zukunft das Museum für Völkerkunde des Podeltas beherbergen wird.
  • Saline, Hauptsitz des Staatsmonopols für die Salinen von Comacchio.
  • Garibaldi-Hütte (Cappano di Garibaldi), Lungomare Italia 109, Lido delle Nazioni; eine kleine ländliche Hütte, in der sich der italienische Staatsgründer Giuseppe Garibaldi am 5. August 1849 vor dem österreichischen Militär versteckt hatte. Es war sein erstes Versteck gewesen. Eine weitere Garibaldi-Hütte befindet sich unweit von Ravenna in der Nähe der Verbindungsstraße zu den Orten Marina Romea und Porto Corsini.

Im 19. Jahrhundert stellte der Glockenturm der Kathedrale San Cassiano eine außergewöhnliche touristische Attraktion dar, weil er zugänglich war und von seiner oberen Plattform aus, auf die eine Treppe hinaufführte, eine herrliche Aussicht über die Stadt und die umliegende Lagunen- und Küstenlandschaft bot. Bedauerlicherweis ist der Glockenturm gegenwärtig nicht für Besucher zugänglich.

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Brücke ‚Trepponti‘

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Blick von der Treppe der Trepponti-Brücke auf die Fischhalle (rechts), im Hintergrund die Häscherbrücke.

Sehenswürdigkeiten der Natur:

  • Beobachtungspunkte für Vögel. Im Bereich der Lagunen, in der Saline von Comacchio, deren Gebiet anLido degli Estensi angrenzt, und in anderen Sumpf- und Feuchtgebieten des Hinterlandes der Strände von Comacchio, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen sind, können regelmäßig zahlreiche Vogelarten beobachtet werden, darunter:Mittelmeermöwen,Dünnschnabelmöwen, Schwarzkopfmöwen, Seeschwalben,Löffelreiher, Säbelschnäbler, Stelzenläufer, Seeschnepfen,Brandgänse, Löffelenten sowie auch Flamingo-Kolonien. Entsprechende Beobachtungspunkte sind in Karten eingezeichnet, die man in Tourismus-Informationsbüros erhalten kann.
  • Archäologische Zone der Etrusker-Gräber S. Maria in Padovetere (Zona archeologica etrusca S. Maria in Padovetere); in der Ausgrabungsstätte waren etwa viertausend etruskische Gräber gefunden worden. Die gefundenen Keramikgefäße werden im Nationalmuseum in Ferrara ausgestellt und stellen die größte Sammlung dieser Art weltweit dar.
  • Wildpferde. Nördlich von Lido delle Nazioni gibt es ein ausgedehntes eingezäuntes Gehege, in dem Wildpferde leben und Stiere gezüchtet werden. Die Wildpferde waren ursprünglich aus der Camargue eingeführt worden.
  • Argine di Agosta; Aussichtsstraße am südlichen Westufer der Lagunen von Comacchio, die entlang einer alten Römerstraße zwischen der (heute trockengelegten) Mezzano-Lagune und der Fossa-di-Porto-Lagune verläuft.

Uhrenturm im Stadtzentrum (beim Rathaus), rechts dahinter die Getreideloggia.

Ruinen des Kloster Sant Agostino

Comacchios berühmter, über 300 Meter langer ‚Kapuziner-Säulengang‘ (rechts im Bild), der zur Wallfahrtskirche (im Hintergrund) führt.

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Kathedrale San Cassiano. Der Dom von Comacchio hat den offiziellen Status eines nationalen Monuments Italiens.

 

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Bilder von Jessie

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Bilder von Jessie