Canosa di Puglia

Canosa di Puglia ist eine italienische Gemeindemit 30.091 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2016) in der Provinz Barletta-Andria-Trani und der Region Apulien. Die Gemeinde gibt dem Rotwein Rosso Canosa ihren Namen.


Geographie:

Canosa liegt an den Abhängen der „Murge“ in der Nähe des Flusses Ofanto. Die Stadt erhebt sich ein paar Kilometer vom rechten Ufer des Flusses Ofanto ab. Canosa liegt etwa 20 km vom Adriatischen Meer entfernt. Die Stadt liegt zwischen 105 m und 140 m über dem Meeresspiegel.

Landschaft:

Das umliegende Gebiet erstreckt sich südlich der Hänge der Murge und westlich bis zum Ofanto-Fluss. Die Landschaft ist meist flach. Die Rendina- und Locone-Becken weisen eine hohe Fruchtbarkeit auf. Die Becken weisen eine Fläche von 150 km² auf.

Nachbargemeinden:

Die Nachbargemeinden sind Andria, Barletta, Cerignola (FG), Lavello (PZ), Minervino Murgeund San Ferdinando di Puglia.


Geologie:

Der Hügelhang auf dem die Stadt liegt besteht oberflächlich aus Ton und Sand. Darunter befindet sich eine Kalkschicht (Calcareniti di Gravina), die wiederum den typischen weiß-gelblichen Tuff bildet. Diese geologische und morphologische Gegebenheit liess einen unterirdischen Höhlenbau zu. Zu dem kommt es zur Entstehung von Dolinen, da der Boden durch das Karstgebiet durchlöchert ist. Manche Gebäude und Straßen sind aufgrund des porösen Bodens bedroht.


Klima:

Das Klima in Canosa ist ein kontinentales Mittelmeerklima mit frischen Wintern und sehr heißen Sommern. Die Niederschlagsmenge ist relativ gering und erreicht im Sommer ihren Tiefpunkt.


Geschichte:

Antike:

Die  Stadt existiert spätestens seit dem 7. Jahrhundert v. Chr., laut Gründungslegende soll Canosa, griechisch Kanousion, von Diomedes gegründet worden sein. Im 4. Jahrhundert v. Chr. war die Stadt bereits von einer Stadtmauer gesichert und besaß eine Akropolis und eine Nekropole. Im Jahre 318 v. Chr. verbündete sich die Stadt mit dem Römischen Reich und wurde als Canusium Garnisonsstadt. Im Jahr 88 v. Chr. stieg sie zum Municipium auf. Unter den Römern wurde sie ein Zentrum der Wollverarbeitung, und auch die Keramik aus der Gegend hatte einen guten Ruf. Im 2. Jahrhundert wurde Canosa unter Kaiser Antoninus Pius zur Colonia Aurelia Augusta Pia Canusium, 109 erreichte die Via Traiana die Stadt und 141 wurde ein Aquädukt zur besseren Wasserversorgung fertiggestellt. Im 3. Jahrhundert wurde sie Hauptstadt der römischen Provinz Apulia et Calabria.

Mittelalter:

343 erwähnen die Akten des Konzils von Serdica (heute Sofia in Bulgarien) den Bischof Stercorius aus Canosa. Auf den Bischof Sabinus (514–566) gehen das Battistero di San Giovanni und die auf den Grundrissen eines römischen Tempels errichtete Basilika San Leucio zurück. Im frühen Mittelalter wurde Canosa durch die Byzantiner besetzt, die 835 den ersten Erzbischof einsetzten, und 845 sowie 875/876 durch die Sarazenen zerstört. Ab dem 11. Jahrhundert gewann die Stadt unter den Normannen ihre frühere militärische Bedeutung zurück. Während des Kreuzzuges Friedrich II. beugte sie sich nicht dem Druck des Papstes und empfing den Kaiser nach seiner Rückkehr 1229. Unter den Anjou wurde Canosa mehrfach zerstört, 1502 von spanischen Truppen besetzt und gehörte danach verschiedenen Adelsgeschlechtern.

Neuzeit:

Mehrfach wurde die Stadt auch durch Erdbeben zerstört. Bis 2004 gehörte Canosa zur Provinz Bari, wurde dann aber mit sechs weiteren Orten dieser Provinz und drei Orten aus der Provinz Foggia der neu gebildeten Provinz Barletta-Andria-Tranizugeordnet.

Mythologie:

Canusium, wie die Stadt von den Römern genannt wurde, soll nach der Mythologie von Diomedes, einem Held des Trojanischen Krieges, gegründet worden sein.


Sehenswürdigkeiten:

Kathedrale S. Sabino:

Die Kathedrale wurde 1101 geweiht und 1698 nach einem Erdbeben um drei Joche verlängert. Der Kirchenbau ist der einzige Dom Apuliens mit 5 Kuppeln. Die Fassade ist unvollendet und stammt aus dem 19. Jh. Im Innenraum stehen 18 antike Säulen, ein Bischofsthron und die Kanzel, beides Meisterwerke der apulischen Kunst. Der Thron 1078 und 1089 von Romuald geschaffen. Die Tiermotive weisen auf arabische Einflüsse hin. Die Kanzel ist die älteste in ganz Apulien. Im Dom befindet sich das Grabmal des Boemund, ein Sohn von Robert Guiscard.

Weitere Sehenswürdigkeiten:

  • Basilica di S. Leucio: Überreste einer frühchristlichen Basilika über den Grundmauern eines römischen Tempels.
  • Battisterio di S. Giovanni: Taufkapelle aus dem 5./6. Jh.
  • Römische Stätten: Amphitheater, Arco Romano, Römerbrücke, römische Kammergräber, antike Sarkophage
  • Museo Civico: Skulpturen der Antike