Campidano

Campidano ist eine breite Ebene zwischen Oristano und Cagliari im südlichen Sardinien. Touristisch ist diese Ebene kaum von Bedeutung. Durch den Landstrich führt eine gut ausgebaute Schnellstraße. Für die Sarden ist das Tiefland die wichtigste Anbauregion für Korn und Obst. Die Ebene ist durch das extreme Klima mit windigen und kühlen Wintern, sowie extrem heißen Sommern eine unwirtliche Region. Südlich von Oristano beginnt das Campidano mit den ehemaligen Sumpf- und Malariagebieten der Arborea, die intensiv kultiviert wurde und von Felderwirtschaft geprägt ist. Wenige Kilometer weiter ins Landesinnere verwandelt sich die Ebene in einen Glutofen. Hier ist der afrikanischen Klimaeinfluss deutlich spürbar. Selbst die Vegetation ist dem extremen Klima angepasst und ist durch Dattelpalmen und Agaven geprägt. Ausgedehnte Felder aus Getreide, Weinbaugebieten und Obstplantagen, sowie staubige Straßen und Agrozentren prägen die Landschaft des Campidano. Auf dem ersten Blick wirkt die Ebene nicht sehr reizvoll, aber manche Dörfer sind lohnenswert einen Stop einzuplanen. Manche Dörfer weisen romanische Kirchenbauten und interessante Museen auf. Hinzu findet man hier vereinzelt Nuraghendörfer vor und mittelalterliche Festungsanlagen, wie die Nuraghenburg Genna Maria und das Castello di Monreale, beide in der Nähe von Sardara.


Geographie:

Cagliari: Blick von der sardischen Hauptstadt auf das Campidano.

Der Campidano (sardisch Campidanu) ist ein 110 km langer und 12 bis 25 km breiter Tieflandstreifen von annähernd 2500 km² Fläche, der im Südwesten Sardiniens die Golfe von Oristano und Cagliari miteinander verbindet. Der Ausdruck Campidano bedeutet im Sardischen weite Ebene. Verwaltungsmäßig ist der Campidano Teil der drei ProvinzenOristano, Medio Campidano und Cagliari.

Landwirtschaft:

Die Campidano-Ebene ist ausgesprochen fruchtbar: Schon zu Zeiten der Phönizier und der Römer wurde hier intensiver Getreide- und Weinanbaupraktiziert.

Städtische Zentren:

Im nordöstlichen Teil der Ebene, um die Stadt Oristano, spielt auch der Reisanbau eine wichtige Rolle. Im Süden der Ebene befindet sich die Inselhauptstadt Cagliari.


Klima:

Das Klima in Campidano ist ein mediterranes Klima mit sehr heißen Sommern. Klimatisch gesehen ist das Klima mit nordafrikanischen Verhältnissen vergleichbar. Die Sommer sind extrem heiß. Die Tagesdurchschnittstemperatur im Sommer liegt zwischen +31°C und +36°C. Die Nächte sind vergleichsweise zur Tagestemperatur mit +19°C angenehm warm. Die Winter sind untertags mild, während die Nächte mitunter recht kalt werden können. Frost ist jedoch extrem selten. Der Scirocco bringt mitunter feucht-heißes Wetter mit sich und lässt heftige Unwetter entstehen. Der Mistral im Winter bringt kühle Temperaturen. Der Niederschlag ist in den Herbst- und Wintermonaten am höchsten, während die Sommer bis auf einzelne, heftige, aber kurze Gewitter, staubtrocken sind. Die Ebene Campidano zählt als Glutofen Sardiniens und ist eine der heissesten Regionen im Mittelmeerraum und Italiens. Das Klima ist vergleichbar mit dem in Andalusien, Central Valley in Kalifornien und der nordafrikanischen Mittelmeerküste.

Klimatabelle der Stadt Iglesias:

Klimatabelle der Stadt Uta:


Natur:

Giara di Gisturi:

Die 550 m hohe und 43 km² Hochfläche aus Basalt ist nahezu eben. Die Ebene ist etwa 12 km lang und 5 km breit. Sie liegt Nahe der Stadt Gesturi im Inneren Sardiniens an der Grenze zwischen der Marmilla und dem Sarcidano. In der Hochebene befinden sich einige erloschene Vulkankegel, darunter der 600 m hohe Zepparedda und der 580 m hohe Zeppara Manna. Im Winter bilden sich auf dem basaltischen Boden große Wasserflächen. Die Vegetation ist vorwiegend von Macchia und Korkeichen geprägt. In der Landschaft leben Wildkatzen, Marder, Schafe und verwilderte Hauschweine, sowie 600 kleinwüchsige Wildpferde.

Monte Arci:

Der Monte Arci ist ein erloschener Vulkan im nördlichen Campidano, zwischen Oristano und Giara di Gesturi. Der Vulkan liegt unmittelbar östlich der Carlo Felice. Das Vulkanmassiv weist zwei Gipfel mit rund 800 m Höhe auf: Trebina Lada (795 m) und Trebina Longa (812 m). In der Jungsteinzeit war der Berg ein wichtiges Schürfgebiet für Obsidian. Der Vulkan ist mit Steineichen, Erika und Mastix bewachsen. Die Hänge bestehen aus Obsidian, die dicht bewachen sind. In den Wäldern leben Füchse, Wildschweine und viele Vogelarten. Der Monte Arci ist naturgeschützt.

Strandseen von Cagliari:

Trotz der großen Umweltverschmutzung durch die Großstadt, haben die Schwemmflächen und Strandsee bei Cagliari nur wenig von ihren Zauber verloren. Die Schilfgürtel sind Heimat und Brutstätte für viele Wasser- und Wattvögel.

Strandseen von Oristano:

Bei Oristano befindet sich ein großes Gebiet aus Sümpfen und Strandseen, die sich entlang des Golfs von Oristano säumen. Nach dem Po-Delta und der Lagune von Venedig ist dieses Feuchtgebiet das größte zusammenhängende Sumpfgebiet und Schwemmfläche Italiens. Die salzigen Strandseen weisen unterschiedliche Größen auf und liegen im Hinterland vom Golf und dem Kap Mannu. Der größte unter ihnen ist der See von Cabras mit 20 km². Von Oktober bis Juli sieht man an diesen Strandseen Tausende von Flamingos, die im Flug einer rosa Wolke gleichen.


Sehenswerte Orte und Kulturelle Zentren

  • Ales: Hautport der Marmilla, ehemaliger Bischofssitz, nettes Städtchen mit schönen Palazzi im Stadtzentrum, erhöht gelegenen Kathedrale (17. Jh.) mit zwei Türmen und Kuppel aus Majolikakacheln.
  • Assemini: größerer Ort in der Nähe der NATO-Base von Decimomannu. Ort bekannt wegen seiner Töpferwaren. Hinter der katalanische-gotischen Pfarrkirche aus dem 16. Jahrhundert, steht die gut 500 Jahre ältere byzantinische Kapelle San Giovanni in Form eines griechischen Kreuzes.
  • Castello di Monreale: Ruinen einer ehemaligen Grenzfestung des Judikats Arborea, auf freiem Feld südlich von Sardara.
  • Collinas: hügeliges Dorf mit alten Bruchsteinhäusern und schönem Ortsbild.
  • Mogoro: verwinkeltes Dorf mit handwerklicher Tradition. Weinbaugebiet in der Umgebung.
  • Morgongiori: Aussichtstraße einige Kilometer hangaufwärts in Gipfelnähe der Punta Trebina Longa.
  • Pau: kleines Dorf auf 315 m Höhe, kleiner Ort inmitten dichten Wälder.
  • Sanluri: größerer Ort mit eindrucksvoller Pfarrkirche Nostra Signora delle Grazie, umgeben von schattigen Zypressen. Im oberen Teil steht das Castello di Sanluri aus dem 14. Jh, ein trutziger Vierecksbau mit zinnungekrönten Ecktürmen.
  • San Sperate: kleines, staubiges Dorf. Viele steinerne Skulpturen und Stadtpark.
  • Sardara: inselbekanntes Örtchen wegen seiner Thermalquellen. Quellen entspringen unter schattigen Eukalyptusbäumen. Neuraghischer Brunnentempel Sant’Anastasia aus dem 9. und 10. Jh.
  • Uras: großes Dorf an der Carlo Felice (Schnellstraße durch dem Campidano), Museum der Paläontologie.
  • Uta: romanische Kirche Santa Maria, eine der bestgehaltensten Kirchen auf Sardinien, erbaut unter der Anleitung der Viktoriner (Benediktinermönche) aus der Provence.
  • Villacidro: größerer Ort an der Westseite der Ebene, unterhalb des hier beginnenden Küstengebirges des Iglesiente. Von der Ortsmitte gehen Pisten zum Wasserfall Cassata spendula aus (Wasserfall zeitweise trocken).
  • Villanovaforru: von Collinas kommend liegen auf Anhöhe die Ruinen der großen Nuraghenfestung Genna Maria mit Resten eines umgebenden Dorfs. Anlage nicht besonders gut erhalten.