Brescia

Brescia ist eine italienische Stadt mit 188.520 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012), Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Brescia und zweitgrößte Stadt der Lombardei. Ihr Einzugsbereich umfasst insgesamt 350.000 bis 500.000 Einwohner, und sie gilt als drittgrößte italienische Industrieregion. Der archäologische Bereich des Forum Romanum und der klösterliche Komplex von San Salvatore-Santa Giulia gehören zu einer Gruppe von Gebäudeensembles, die unter dem Titel „Die Langobarden in Italien, Orte der Macht (568 bis 774 n. Chr.)“ im Juni 2011 auf die Liste des UNESCO-Welterbes gesetzt wurden.


Geographie:

Die Stadt Brescia liegt in der Übergangszone der Po-Ebene und der Alpen. Die nördlichen Stadtteile liegen bereits in den Hügeln der Voralpen, während sich die südlichen, östlichen und westlichen Stadtteile in der weiten Po-Ebene befinden. Die Po-Ebene in der Provinz Brescia wird auch Bassa Bresciana bezeichnet.

Landschaft:

Brescia liegt im oberen oder nördlichen Po-Tiefland an der Mündung des Val Trompia in die Ebene, und am Fuße des Monte Maddalena und des Colle Cidneo. Das Territorium wird im Norden durch die Brescianischen Voralpen, im Osten durch die Moränenhügel des Gardasees und im Westen von der Franciacorta begrenzt. Das Relief ist überwiegend Flach. Der gesamte Südhang des Monte Maddalena liegt im Stadtgebiet und ist mit 770 m somit die höchste Erhebung der Stadt Brescia. Ein weiterer auffälliger Berg ist der Cidneo, auf diesem Hügel liegt die Burg von Brescia. Der Rest der Stadt erstreckt sich geographisch und visuell in einer Senke, dass von Berggürteln, sowie voralpinen Bergen umgeben ist.

Hydrographie:

Der Hauptfluss der Stadt ist die Mella. Diese entspringt im Gebiet von Maniva und durchfliesst das Val Trompia. Sie erreicht die Stadt von Norden her und durchquert sie längs. Bis heute ist der Fluss nicht schiffbar und hat vor allem in Brescia mit starker Verschmutzung zu kämpfen. Die verbleibenden Flussläufe gleichen Wildbäche. Dazu gehören die Garza, ein Sturzbach. Der Naviglio di Brescia ist ein Kanal, der vom Fluss Chiese abgleitet wird, dieser durchquert die Stadt im Osten.

Orographie:

Der Monte Maddalena (ehemals Monte Denno) ist ein Berg der Brescianischen Voralpen und liegt nordöstlich von Brescia. Wegen seiner Nähe zur Stadt, wird er gerne als Hausberg Brescias bezeichnet. Der Berg weist eine Höhe von 874 m auf und ist stark bewaldet. Ein weiterer wichtiger Hügel ist der Cidneo, der Burgberg der Stadt.

Seismische Aktivität:

Das Risiko eines Erdbebens wird in Brescia als mäßig eingeschätzt. Die Stadt liegt in der Zone 3, das beutetet niedrige Seismizität. In den vergangenen Jahrhunderten gab es keine bedeutende Zwischenfälle.


Klima:

Brescia Montichiari / Brescia Ghedi / Brescia / Provinz Brescia Klimastationen

Das Klima Brescias ist warmgemäßigt, jedoch aufgrund der Lage im Landesinneren der Po-Ebene kontinental ausgeprägt, sodass es im Winter, vor allem in den Monaten Januar und Februar häufiger zu Frösten kommen kann. Die Sommer sind heiß, gelegentlich können über 37 °C erreicht werden. Die Stadt weist ein eigenes Mikroklima auf. Aufgrund des subkontinentalen Klimas sind die Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter recht hoch. Die Sommer sind sehr heiß. Im Vergleich zur Po-Ebene, der Bassa Bresciana, weist das Stadtgebiet geringeres Nebelaufkommen und mildere Kälte auf. Die Präsenz mediterraner Pflanzen, wie Oliven, Steineichen, Lorbeeren und Kapern, sind für die Po-Ebene eher ungewöhnlich, findet man aber in Brescia vor. Aufgrund dessen sollte man eher von einen Übergangsklima zwischen dem subkontinentalen Klima der Po-Ebene und dem submediterranen Klima des nördlichen Alpenrandes sprechen.

Brescia Centro (1961-1990):

Brescia-Montichiari (1961-1990):

Brescia-Ghedi (1961-1990):


Geschichte:

Kastell von Brescia (© Pixabay License / Mari_Lu)

Das antike Brixia war eine Siedlung des keltischen Volksstammes der Cenomanen. Es wurde 225 v. Chr. römisch, als sich die Cenomanen Rom unterwarfen. Augustusgründete hier 27 v. Chr. eine Zivil- (nicht Militär-) Kolonie. 452 wurde Brixia von Attila geplündert und war in der Zeit der Langobarden Sitz eines Herzogtums.

Zur Zeit der Karolinger war das von Königin Ansa gegründete Kloster San Salvatore (heute der Kirchenkomplex S. Salvatore, S. Maria in Solario und S. Giulia) das Zentrum der Stadt. Die (Laien-)Äbtissinnen des Klosters stammten lange Zeit aus den herrschenden Familien.

Die kommunale Bewegung führte bereits in den späten 1130er Jahren zu schweren Auseinandersetzungen der Bürgerschaft mit dem Bischof, an der auch der junge Arnold von Bresciabeteiligt war. Ab 1167 war Brescia eines der aktivsten Mitglieder des Lombardischen Städtebundes. 1258 ergriff Ezzelino da Romano die Macht, und die Scaliger herrschten bis 1421. Danach fiel Brescia an dieVisconti aus Mailand, und 1426 schließlich an die Republik Venedig. Im frühen 16. Jahrhundert war Brescia eine der wohlhabendsten Städte der Lombardei, litt aber nach 1512 noch lange unter der Plünderung durch Gaston de Foix.

Weite Teile der Stadt wurden 1769 beschädigt, als die San Nazaro-Kirche von einem Blitz getroffen wurde. Grund hierfür war die Explosion von 90 Tonnen Schießpulver, die man in der Kirche gelagert hatte. Dabei starben ca. 3000 Menschen. Zuvor hatte es die Gemeinde abgelehnt, einen Blitzableiter zu installieren, da Blitze göttlichen Ursprungs seien und keine Kirche zerstören würden. Infolge der Explosion wurde zwar ein Blitzableiter installiert, jedoch lagerte man auch weiterhin Schießpulver in der Kirche. Bis 1797 gehörte Brescia zu Venedig und kam dann unter österreichische Herrschaft. Im Frühjahr 1849 wurde die Stadt berühmt wegen der Revolte gegen die österreichische Herrschaft. Der zehntägige Volksaufstand unter Führung von Tito Speri begann am 23. März, nachdem die Stadt die Zahlung eines Bußgeldes an österreichische Stellen verweigert hatte. Während der Kämpfe beschoss die österreichische Garnison mit Kanonen u.a. den Dom, den Palazzo della Loggia, das Theater und zahlreiche Privatwohnungen. Am vierten Tag des Aufstandes schlug Tito Speri mit Freiwilligen die aus Mantua heranrückende, 1.000 Mann starke Verstärkung des Generals Nugent, der tags darauf bei der Porta di Torrelunga erneut scheiterte. Am neunten Tag des Aufstandes gelangten österreichische Truppen unter Julius von Haynau in die Stadt, der eine sofortige bedingungslose Kapitulation der Aufständischen verlangte und drohte, die Stadt in Schutt und Asche zu legen. Die Kapitulationsforderungen wurden jedoch von den Brescianern abgelehnt. Bei den nachfolgenden Kämpfen verlor der österreichische General Nugent das Leben. Am 10. Tag gelang es den österreichischen Truppen (mittlerweile in Stärke eines Korps), den Widerstand zu brechen. Danach kam es zu Plünderungen und willkürlichen Erschießungen. Brescia blieb bis zumzweiten italienischen Unabhängigkeitskrieg für zehn weitere Jahre unter österreichischer Herrschaft. Am 13. Juni 1859 zog Giuseppe Garibaldi mit seinen Alpenjägern in die Stadt ein, nachdem er die Österreicher zuvor bei Varese und San Fermo geschlagen hatte. Für ihren Freiheitskampf im Risorgimento erhielt die Stadt Brescia den Beinamen Leonessa d’Italia („Löwin Italiens“). Am 28. Mai 1974 fand auf der Piazza della Loggia ein Anschlag von Neofaschisten statt.

Stadtrundgang:

Gemessen an der Fülle von Bauwerken aus der Antike, dem Mittelalter, der Renaissance sowie dem Barock hat der folgende Rundgang einen eher exemplarischen Charakter und präsentiert einige herausragende Beispiele.

 Römisches Zentrum:

Betrachtet man den Stadtplan von Brescia, so sind immer noch die in römischer Zeit angelegten, rechtwinklig zueinander verlaufenden Straßenzüge zu erkennen. Die ursprüngliche römische Siedlung, die eine der bedeutendsten des römischen Oberitaliens war, liegt heute im Ostteil der Stadt. Das von mittelalterlichen Mauern eingefasste Areal ist jedoch größer als die Stadt zu damaliger Zeit. Die Via dei Musei führt zum ehemaligen Zentrum und zu einem Ruinenfeld mit der ausgedehnten Anlage eines Kapitolischen Tempels. Der Tempel wurde unter Kaiser Vespasian von 73 bis 74 n. Chr. an der Nordseite des dahinter liegenden Forums erbaut.

Domplatz: 

Kuppel und Innenraum des Duomo nuovo (© Pixabay License / Mari_Lu)

Ursprünglich standen auf dem Domplatz von Brescia drei romanische Monumentalbauten. Im Rahmen der barocken Bautätigkeiten des 17. Jahrhunderts wurde die Sommerkathedrale abgerissen. An ihrer Stelle erstand der Neue Dom (Duomo nuovo), dessen Bau 1604 begonnen und erst 1825 beendet wurde. Eine große, mit Kupferplatten gedeckte, durch deutlich hervortretende Stege in acht Segmente unterteilte Kuppel mit einer durchfensterten, ebenfalls überkuppelten Laterne, die der Architekt Marchese Luigi Cagnola entwarf, einer der führenden Klassizisten in Mailand, erhebt sich über der imposanten Fassade aus hellem Botticino, ein Kalkstein. Im kreuzförmigen Innenraum sind zahlreiche Kunstwerke zu finden, wenn auch nicht immer von bedeutendem künstlerischen Rang. Direkt neben dem Neuen Dom steht die Rotunde der Winterkathedrale, des Duomo Vecchio. Sie ist eines der eindrucksvollsten romanischen Kirchenbauwerke in der Lombardei und wurde im 11. und 12. Jahrhundert errichtet. Sehenswert sind im Innenraum die gotischen Bischofsgräber; das großartigste ist das des Bischofs Bernardo Maggi aus dem 13. Jahrhundert. Auf der Westseite des Domplatzes befindet sich der Broletto, der Regierungspalast der mittelalterlichen Stadtrepublik. Es ist das älteste öffentliche Gebäude, das in der kommunalen Zeit Sitz des städtischen Richteramtes war, und vom 15. bis 18. Jahrhundert Residenz der venezianischen Behörden. Mit seinem hohen Turm und der Loggia delle grida (Loggia der Schreie) ist das Bauwerk ein klassisches Beispiel für ein Rathaus des 12. und 13. Jahrhunderts. Der Palast hat einen viereckigen Grundriss mit einem breiten Innenhof, wobei drei der umgebenden Fassaden aus dem Mittelalter stammen und der nördlich gelegene Laubengang aus dem 17. Jahrhundert.

Piazza della Loggia:  

Der 1433 eröffnete, schönste Platz der Stadt wird von dem prächtigen Renaissance-Gebäude der Loggia beherrscht. Das neue Regierungszentrum wurde 1484 von den Venezianern als Gegensatz zum mittelalterlichen Domplatz geplant. Der mit plastischen Ornamenten reich geschmückte Palast wurde im Jahre 1492 begonnen und 1570 unter Beteiligung der Architekten Jacopo Sansovino und Andrea Palladio im oberen Teil fertiggestellt. An der Südseite des Platzes erheben sich die beiden Häuser der Monti di Pietà aus dem 15. und 16. Jahrhundert, in deren eine Außenwand schon bei der Errichtung römische Inschriftensteine eingesetzt wurden; das antike Gebäude ist östlich durch einen kleinen Bogen mit dem jüngeren verbunden. Eine kleine Loggia in venezianischem Stil verbindet die Monti di Pietà mit dem antiken Gefängnisgebäude. In der Mitte der Ostseite des Platzes sieht man oberhalb des Säulenganges eine aus dem 16. Jahrhundert stammende, astronomische Uhr. Der Uhrmechanismus ist seit der Herstellung noch immer voll in Betrieb. Die Stunden werden von den charakteristischen Statuen an der Spitze der Turms geschlagen, wodurch sie i Macc dè lé ure (die Verrückten der Stunden) genannt werden.

Santa Maria della Carità:

Unter den vielen Gotteshäusern der Kunststadt Brescia ist die Kirche Santa Maria della Carità ein Schaustück aus der Barockperiode Brescias. Der prunkvolle Hauptaltar ist einer der schönsten der Stadt. Der Ursprung des Bauwerkes geht auf das 16. Jahrhundert zurück, sie wurde jedoch im darauf folgenden Jahrhundert (1640) noch einmal neu errichtet. Mit einigen Veränderungen während der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war sie schließlich im Jahre 1825 fertig. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde auf dem Hauptaltar das Bildnis der Vergine dei Terragli aufgestellt, und es kam eine Kapelle hinzu, die derjenigen aus dem Heiligen Hause in Loreto ähnlich ist. Der achteckige Fußboden aus mehrfarbigem Marmor ergänzt die Stuckarbeiten und Freskenmalereien der Wände sowie die architektonischen Perspektiven der Kuppel.