Barbagia

Das Bergland Barbagia liegt im zentralen Sardinien. Ausgangspunkt und größte Stadt ist Nuoro. Die steile Felswand des Supramonte liegt in Sichtweite der Stadt. Anlaufpunkt dort ist Oliena und die Kooperative darüber im Steineichenwald mit Übernachtungsmöglichkeiten und Ristorante. Orgosolo ist vor allem bekannt wegen seiner bewegten Geschichte als „Banditendorf“ und wegen der herrlichen Murales, die fast alle Hausfassaden an der Hauptstraße schmücken. Weitere lohnende Ziele sind die Dörfer an den Hängen des Gennargentu-Massives, das mit über 1800 m die höchsten Gipfel Sardiniens hat. Tonara, Desulo, Arioso und Fonni sind die bedeutendsten. Die Barbagia hat den Ruf, das Land der Banditen, Entführer und Viehdiebe zu sein. In der Barbagia leben Europäische Mufflons, Wildpferde und Esel, die auch bei den Festumzügen, bei denen die alten, für die Sarden symbolträchtigen Trachten getragen werden, die bunt geschmückten Karren ziehen.

Supramonte


Geographie und Landschaft:

Die Barbagia ist das felsige Rückgrat Sardiniens. Das Relief ist steinig und felsig mit vielen verborgenen Höhlen, kahlen Steilhängen, dichten Eichen- und Kastainienwäldern, sowie nackten Kalkklippen. Diese Gebirgslandschaft ist sehr wild und noch weitgehend unberührt. Die Wildnis besteht aus Macchia, sprödes Karstland und undurchdringlichen Buschwäldern. Die Region ist auch für seine Schafherden bekannt. Zu den schönsten Berglandschaft der Barbagia zählen der Supramonte und das weite Rückgrat der Monti dei Gennargentu. Die Gennargentu-Berge sind zugleich die höchsten Gipfel der sardischen Insel. Das „Land der Barbaren“ (wie der römerzeitliche Name besagt) liegt in der Provinz Nuoro zwischen Arborea, der Baronia, dem Goceano sowie der Ogliastra.

Gliederung:

Die Barbagia ist eine mehrfach gegliederte felsige Hochebene südlich von Nuoro, im Osten Sardiniens. Sie wird von Nord nach Süd unterteilt in:

  • die Barbagia Ollolai
  • die Barbagia Mandrolisai
  • die Barbagia Belvi
  • die Barbagia Seulo

Klima:

Das Klima in der Barbagia ist rau und extrem. Die Winter sind kalt und windig. Schnee kann häufig auftreten, vor allem in den höheren Berglagen. Die Stadt Fonni liegt auf 1000 m über dem Meeresspiegel. Dort ist das Klima kontinental geprägt und die Winter sind für sardische Verhältnisse sehr kalt. Die Hauptstadt Nuoro der Barbagia liegt in den unteren Lagen des Berglandes, daher ist Das Klima deutlich wärmer. Die Winter sind milder, aber dennoch kühl. Die Sommer sind sehr heiß mit angenehm kühlen Nächten.

Klimatabelle der Stadt Fonni:

Klimatabelle der Stadt Nuoro:


„Land der Bandiden“:

Es ist das Land der Hirten, die in der Macchia ihre Schafe und Ziegen weiden. Sie leben in den teilweise wie Vogelnester an die Berge gebauten Dörfern in der immer noch wenig erschlossenen Einöde zwischen Steineichen und Edelkastanien. Sardisch wird in diesem Teil der Insel zumeist besser verstanden als Italienisch. Zu Hochzeiten des sardischen Banditismus war die Barbagia das Rückzugsgebiet für Banditen und Entführer. Banditen wie Giovanni Corbeddu Salis, der „König der Macchia“ genannt, gelangten durch ihre Taten innerhalb der sardischen Bevölkerung zu Ruhm und Ansehen. Nach ihm wurde sogar eine Grotte benannt. Die Bewohner der Barbagia haben sich seit jeher der auferlegten Gesetzt von Außen widerwillig gebeugt. Unter den staatlichen Deckmantel wirkten die alten Regulative der Hirtenclans weiter und bestimmten das Zusammenleben. Vergehen gegen die Gemeinschaft wurden mit Strafen beantwortet, die aus der Betrauung der Dorfältesten hervorgingen. Betroffen Familie übten Vergeltung an den Tätern und ihren Angehörigen. Das konnte nur zur vindicau, der Blutrache führen, in leichteren Fällen waren erst die Schafe der anderen an der Reihe. Banditen gibt es heute nicht mehr. Wenn man unvermutete martialisch bewaffneten Gestalten auf der Straße begegnet, sind das meist Jäger. Die letzte bekannt gewordene Blutrache geht in die 1950er-Jahre zurück. Falls diese Art der Selbstjustiz noch irgendwo schwelt, ist das eine zutiefst innensardische Angelegenheit, von der man als ausländischer Besucher nie etwas erfahren wird, und sich auch nicht darum bemühen sollte.


Sehenswürdigkeiten:

  • Das Gennargentu-Massiv ragt über 1800 Meter auf und bildet die Wasserscheide der Insel. Der Name Gennargentu bezieht sich auf die Silbererzvorkommen der Gegend.
  • Einer der größeren Orte ist Oliena, der bekannteste Ort ist jedoch Orgosolo, der durch Wandmalereien über Italien hinaus berühmt wurde.
  • Am Rande der Berge haben Menschen der Vorzeit ihre Spuren in den Gigantengräbern von Bidistili, Marruscu und Madau, in der Nuraghen Is Paras und in der Nuraghensiedlung von S’Urbale hinterlassen. Das Gebiet ist auch das Zentrum der Verbreitung der sardischen Menhire.