Arezzo

Arezzo (lateinisch Arretium, etruskisch Aritim) ist eine Stadt mit 98.352 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012) in der mittelitalienischen Region Toskana, nordöstlich von Siena. Sie ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und viertgrößte Stadt der Toskana (nach Florenz, Livorno und Prato). Mit seinen Kaufherrenpalästen, Patrizierhäusern und Sakralbauten ist Arezzo ein Juwel mittelalterlicher Architektur und Kultur.

Piazza Grande mit der Kirche Santa Maria della Pieve (© Pixabay-License / El_en_a)


Geographie:

Arezzo liegt auf einem steilen Hügelzug, der sich von der Flussebene des Arno erhebt. In der Oberstadt befindet sich der Dom, das Rathaus und die Fortezza Medicea. Trotz der neuartigen Bebauung, weist die Altstadt einen mittelalterlichen Flair auf. Arezzo liegt in einer seismisch aktiven Zone, jedoch ist die Aktivität niedriger als in Umbrien oder Abruzzen. Zu den stärksten Erdbeben zählte das vom 26.11.2001 mit einer Stärke von 4,6. Das Erdbebenzentrum lag 26 km nordöstlich von Arezzo. 


Klima:

Klima der Stadt Arezzo / Klimastationen der Provinz Arezzo / Klima der Toskana

Nach der Köppen-Klimaklassifikation liegt Arezzo in der Zone des feuchten subtropischen Klimas. Jedoch weist die Stadt ein subkontinentales Klima auf. Die Sommer sind heiß und weitgehend trocken. Die Winter können durchaus kalt werden. Schneefall ist möglich. Arezzo gehört zusammen mit dem umliegenden Gebieten zu den kontinentalsten Regionen der Toskana. Die Niederschläge sind unregelmäßig, da das Gebiet sowohl vom atlantischen (feucht) als auch von kontinentalen (trocken) Luftmassen aus Nord und Ost beeinflusst wird. Die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind hoch. Schnee ist keine Seltenheit und es fallen im Schnitt 20 cm pro Jahr. Von 2001 bis 2012 sank die jährliche Menge auf 8,25 cm. Die im Stadt- und Gemeindegebiet gemessenen Extremtemperaturen betragen +42,1°C (Arezzo-San Fabiano, 04.08.2017) und -20,2°C (Arezzo-Molin Bianco, 11.01.1985).

Arezzo-San Fabiano (1961-1990):

Arezzo-Molin-Bianco (1961-1990):


Geschichte:

Die Stadt ist etruskischen Ursprungs (sie gehörte zu den zwölf mächtigsten etruskischen Städten und zum Zwölfstädtebund) und an der antiken Via Cassia gelegen. In spätaugusteischer Zeit befanden sich hier bedeutende Manufakturen zur Herstellung italischer Terra Sigillata.

Mittelalter:

Seit dem 4. Jahrhundert nach Christi Geburt war Arezzo Bischofssitz, und in langobardischer und karolingischer Zeit Grafensitz; in nachkarolingischer Zeit dem Markgrafen der Toskana unterstellt. Die adlige und bischöfliche Verwaltung wurde im frühen 12. Jahrhundert durch die in Italien üblich werdende Konsularverfassung ersetzt. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts ersetzte die kommunale Bewegung die alte Regierung, die nun ganz vom Konsul gestellt wurde. Die damit verbundenen Kämpfe zwischen dem Volk (popolo) und den Adelsgeschlechtern dauerten jedoch fort, wie es generell zu dieser Zeit zu sozialen Unruhen in den meisten Kommunen Ober- und Mittelitaliens kam. Die Stadt galt als ghibellinisch und somit als kaisertreu. Neben Pisa hielt sie als einzige Kommune der Toskana auch im frühen 14. Jahrhundert daran fest. So weilte Kaiser Heinrich VII. einige Zeit in Arezzo und erließ dort mehrere Gesetze. Die Kommune fiel bald darauf an Florenz. Es kam zu Aufständen, doch verblieb sie, von einigen Episoden abgesehen, unter florentinischer Herrschaft. Unter den Medici verfiel die Stadt, deren Blütezeit im 13. Jahrhundert schon längst überschritten war.

Universität:

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts kam es zur Gründung einer Universitätdurch abgewanderte Studenten aus Bologna. Schwerpunkt war in Arezzo ebenfalls die Jurisprudenz, außerdem die Medizin. Im 14. Jahrhundert verfiel die Universität jedoch und ging bald darauf unter. Heute befindet sich in Arezzo die Philosophische Fakultät der Universität Siena.


Sehenswürdigkeiten:

  • Dom von Arezzo (© Pixabay-License / Angelo Controversi)

    Dom San Donato, dessen großformatige Glasgemälde von Fra Guillaume de Marcillat besonders sehenswert sind

  • Badia delle Sante Flora e Lucilla mit den Umbauten und dem Hochaltar von Giorgio Vasari
  • Die Kirche San Francesco mit einem Freskenzyklus Piero della Francescas
  • Die Kirche San Domenico mit dem frühesten erhaltenen Werk Cimabues
  • Die Kirche Santissima Annunziata, die wichtigste Kirche der Hochrenaissance in Arezzo
  • Die Kirche Santa Maria delle Grazie mit der bekannten Loggia aus der Frührenaissance
  • Casa del Petrarca – angeblich das Geburtshaus des Dichters, Humanisten und Gelehrten Francesco Petrarca – mit einer Ausstellung zu seinen Werken
  • Casa di Giorgio Vasari – Der Maler und Baumeister, der unter anderem die Uffizien in Florenz gebaut hat, erwarb 1540 das zweistöckige Haus und malte die Räume mit prächtigen Fresken aus
  • Die schräg abfallende Piazza Grande mit der Kirche Santa Maria della Pieve und dem monumentalen Palazzo delle Logge, der Ende des 16. Jahrhunderts ebenfalls nach Plänen von Vasari errichtet wurde
  • Das Museo Archeologico Mecenate im ehemaligen Kloster San Bernardo mit Fundstücken aus etruskischer und römischer Zeit
  • Der Palazzo Pretorio aus dem 14. Jahrhundert, seit 1404 der Sitz des obersten Richters; im Inneren befindet sich die städtische Bibliothek mit wertvollen Handschriften und Miniaturen.

Verkehr:

Arezzo liegt an der E 45 – A 1 sowie an der nördlich und südlich mit derDirettissima Firenze–Roma verbundenen Bahnstrecke Florenz–Rom und zwei durch die Trasporto Ferroviario Toscano betriebenen Nebenstrecken nach Pratovecchio-Stia bzw. Sinalunga. Arezzo hat einen Flugplatz für die Allgemeine Luftfahrt, der wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten zeitweise geschlossen worden ist.


Patrizierhäuser am Rande der Piazza Grande (© Pixabay-License / wolfgang1663)